glaskolbenSs2003Editorial des KVV Medien & Bildung, Sommersemester 2003

Eine Pfeife, ein leerer Teller, eine Flasche Sherry (Medium Dry), ein Fisch, ein Werkzeug. Ein Reagenzglas, Erlenmeier-Kolben, um genau zu sein.

Wenn es in pädagogischen Zusammenhängen um ‚Medien‘ geht, sind wir zumeist Akkusativkonstruktionen im Plural gewohnt: ‚Der Einfluss der Medien auf kindliche Sozialisationsprozesse‘ o.ä. Mit ‚Medien‘ sind dann Dinge gemeint, die äußerlich sind, von denen man sich auch fernhalten könnte, die man einfach nicht anschaltet zum Beispiel. Oder die man für eine optimale Entwicklung und zur Vermeidung von Spätfolgen maximal eine Stunde täglich und dies am besten in Begleitung der Eltern anschaltet usw.
Wie wäre es probehalber mit einer Genitiv-Konstruktion? Im Singular am besten: ‚Ein Neues Medium kindlicher Sozialisations- oder Bildungsprozesse‘ – zum Beispiel.

Ein ‚Medium‘ mit Genitiv ist – wie in physikalischen oder chemischen Kontexten – als ein Träger oder Stoff zu verstehen, in dem sich bestimmte Vorgänge abspielen: Luft als Träger von Schallwellen zum Beispiel in der Akustik, oder, in der Chemie, das ‚Medium‘ als Stoff, in dem bestimmte chemische Prozesse ablaufen. Mit dem Unterschied selbstverständlich, dass ‚Medium‘ im pädagogischen Kontext als Träger und Stoff nicht chemischer oder physikalischer, sondern psychischer und sozialer Vorgänge zu verstehen ist.

Man könnte dann sagen: Es gibt seit ein paar Jahren diese ’neuen Geräte‘ – Computer genannt, sie sind mittels eines sehr, sehr großen Netzes miteinander verbunden. Die Entwicklung dieses World-Wide-Web, dessen Auftauchen sicherlich nicht nur zufällig zeitlich sondern auch kausal korreliert mit dem, was als ‚Globalisation‘ oder besser – weil ja nicht der Globus (als ihr Modell), sondern tatsächlich die ‚ganze Welt‘ gemeint ist – als Mondialisation oder zu Deutsch: ‚Weltweit-Werden‘ sich ankündigt.

Und dieses, das WWW, das Weltweit-Werden und seine gerätetechnische Grundlage, das World-Wide-Web z.B., das zusammen könnte man ein ‚Neues Medium‘ nennen.

Torsten Meyer