Editorial des KVV Medien&Bildung für das Sommersemester 2009

… oder muss es jetzt heißen, sie twittern es von ihren Computern und Handys?

Bei größeren Ereignissen der letzten Zeit waren nicht selten so genannte Twitterer die ersten Berichterstatter vor Ort. Beispielsweise beim Terror-Anschlag in Mumbai, der Notwasserung auf dem Hudson River oder dem Hauseinsturz in Köln. Sie tweeten (das englische Wort für zwitschern) alles mögliche. Der Webdienst Twitter (twitter.com) stellt aber immer dieselbe Frage »What are you doing?«. Die Nutzer des Dienstes beantworten die Frage ganz unterschiedlich, aber immer in 140 oder weniger Zeichen.

»am packen. unglaublich wie viel mist in so ne einzimmerwohnung passt.«

»mir sitzt ein kater aufm kopf«

»Mist! Hab echte Würstchen gekauft. #vegetrismus«

Es gibt aber auch durchaus Meldungen mit Bezug zur Hochschule wie die folgende Nachricht zeigt.

»Unglaublich: Freundliche Menschen in der Uni-Verwaltung! Ich bin begeistert, nicht einmal ironisch… #Ironie #Verwaltung #Kaffee«

Auch diese Nachricht bleibt noch an der Oberfläche, wirft für Neu-Twitterer aber vielleicht schon erste Fragen auf.

»da ich ja noch neu bei twitter bin, möchte ich gern wissen was die ganzen »#« zu bedeuten haben!?«

Tweets die ein Wort beinhalten das mit # beginnt, nutzen dieses Wort als Schlagwort um die Nachricht zu kontextualisieren. Mit Hilfe der #, sogenannten Hashtags, lässt sich einfacher nach bestimmten Themen suchen. Klassisch werden einzelne Events o.ä. (z.B. #uhh) mit einem Hashtag versehen. So können die zugehörigen Tweets unterschiedlicher Nutzer zusammengeführt werden.

Twitter ist mit einem Alter von drei Jahren längst nicht das jüngste Angebot im Internet. Schon im April 2007 schrieb die Zeit: »Viele der interessanteren Minibotschaften geben wie der, was den Leuten gerade durch den Kopf schießt. Aber auch die sinnfreieren Mitteilungen ergeben in den ständig aktualisierten Listen einen Lesestoff (…) der bei auffallend vielen Lesern eine Suchtwirkung entfaltet. Und obwohl diese Seite vermutlich nicht errichtet wurde, um unser globales Bewusstsein zu erweitern, tut sie nebenbei vielleicht genau das. Falls sie uns nicht vorher restlos verblödet.«

Das Personal Web erreicht in 2-3 Jahren den Bildungsbereich, so die aktuelle Prognose des Horizon Reports 2009. Ein Teil davon sind Blogs und Microblogging, also z.B. Twitter. Die Nutzerzahlen in Deutschland steigen gerade deutlich an. Im Januar und Februar 2009 lagen die Neuregistrierungen  bei 4000-4500/Monat.

Im Vergleichszeitraum 2008 lagen die Zahlen bei gerade mal 500 Anmeldungen deutscher Nutzer im Monat. In den letzten Wochen haben mehrere deutschsprachige Wissenschaftler über Ihre Erfahrungen mit und Einschätzungen zu Twitter gebloggt. Aktuell ergeben sich daraus noch keine Hinweise auf sinnvolle Nutzung von Microblogging im Bildungsbereich.

Einige Twitternutzer scheinen jedoch an eine wissenschaftliche Verwendung des Dienstes zu glauben. Jedenfalls könnten einige Nachrichten auf eine solche Nutzung hinweisen. z.B.:

»Twitterthese *1: Die Nutzung von Twitter korrelliert mit dem gehäuften Auftreten von Gedanken in einer 140-Zeichen-Slogan-Form.#Beobachtung«

oder auch diese Nachricht desselben Users:

»Twitterthese *2: Die Form einer Nachricht ist immer auch die Nachricht einer Form. #Beobachtung #Web2.0 #Medium #nächsteGesellschaft«

Selbstverständlich gibt es auch schon eine Menge Ideen wie Twitter Bildungsprozesse unterstützen kann. Diese Unterstützung bezieht sich bisher jedoch eher auf den administrativen und weniger auf den inhaltlichen Bereich. Auch an der Universität Hamburg twittern einige Studierende, Professoren, Projekte und Einrichtungen. Zu finden sind diese Twitterer unter http://tr.im/twitteruhh

Wenn Sie schon twittern oder jetzt damit beginnen wollen, tragen Sie sich dort doch auch ein! Vielleicht begleitet Sie das Gezwitscher von Profs, Projekten und Kommilitonen oder Mitarbeitern durch das kommende Semester.

Wir wünschen Ihnen ein Semester voller guter Nachrichten, via Twitter oder auf anderen Wegen.

Für das Team vom Medienzentrum,

Ralf Appelt

Leiter des *mms (MultiMedia-Studio)

PS: Haben sie gemerkt, dass keiner der Sätze im Artikel mehr als 140 Zeichen hatte?Hier geht es zum getwitterten Artikel http://tr.im/editoral