Editorial des KVV Medien&Bildung (*.pdf ca. 2,5mb) für das Wintersemester 2010/11.

Zehn Jahre Arbeit an den Grenzen des Mediums

Willkommen im Medium des Editorials!

Eines Jubiläums-Editorials, um genau zu sein. Das gedruckte KVV „Medien & Bildung« begleitet seit zehn Jahren die Beschäftigung mit dem
Medium in Forschung und Lehre wie der Duft frisch gebrühten Kaffees, zuerst am Fachbereich Erziehungswissenschaft, später an der Fakultät EPB. Ein geeigneter Zeitpunkt um kurz innezuhalten und zurück zu schauen, für eine Retrospektive. Und dabei zugleich – hellwach – den Horizont der Zukunft nicht aus den Augen zu lassen. Alles andere wäre kalter Kaffee.

Nach Containern, Zettelkästen, Magrittes virtueller Pfeife, einer Flasche Sherry »medium dry« dieses mal ein Alltagsgegenstand, der unter hohem Druck und Energieaufwand Wasser in ein kulturerhaltendes Genuss- und Wirkmittel verwandelt. Die Annäherungen an den Medium-Begriff waren und sind am *mms von Metaphern geprägt. Warum zeigen wir nicht einfach, was wir meinen?

Die große Herausforderung stellt die Selbstverständlichkeit dar, mit denen der Begriff des Mediums alltäglich verwendet wird: Der Idee (massen-)medial verbreiteter Inhalte und technischer Apparate, von denen man sich auch fernhalten könne, von deren Konsum eine Stunde täglich ausreichend sei oder für deren korrekten Gebrauch den Nutzern Medienpädagogen zur Seite gestellt werden, steht hier ein medientheoretisches Paradigma der Arbeit an den Grenzen des Begriffs gegenüber. Begriff wie Gegenstand, gerade wegen der verführerischen Anschaulichkeit, Greifbarkeit und Allgegenwärtigkeit, verleiten im Alltagsgebrauch zu
einer Handhabung ähnlich dem ritualisierten Griff zur Kaffeekanne. Hier galt und gilt es, einen Begriff zu erweitern, denk- und diskutierbar zu halten, der rundlegend für das Verhältnis zur Welt und zum Selbst ist, als dass dieses immer schon ein medial Vermitteltes war: Das Medium als Träger psychischer und sozialer Prozesse zu begreifen, als Lebens-Mittel, ist Grundlage für ein Verständnis von Erziehung, die zur Teilhabe an Gesellschaft befähigen soll.

Metaphern als Medium setzen auf das Zeigen – aber nicht auf etwas, sondern von dem Gewohnten fort. Wenn sie funktionieren, dann setzen sie bekannte Begriffe in einen fremden Zusammenhang, sie berühren, führen, entführen und verführen. Sie bringen begrifflich zu einer fremden, interessanten Lokalität, an und
in der man sich neu orientieren muss. Wenn sich das Verständnis des Begriffs tatsächlich mit dem ungewohnten Ort anfreundet, dann kann dies der Ausgangspunkt neuer Erkenntnis sein. Insofern soll auch der Genuss am Medium nicht unberücksichtigt bleiben.

Im *mms wurde und wird für adäquate Medienbildung auch immer Medienforschung mitgedacht – in Theorie und Praxis. Hin und wieder wird auch ein Blick in die Zukunft gewagt. Nicht als bloßes Kaffeesatzlesen, sondern vielmehr in Form einer Sensibilität für aktuelle Medienentwicklungen und ihre Implikationen für Struktur
und Kultur der Gesellschaft und ihrer Erziehung. Dass dieses Wach(sam)bleiben durchaus spielerischen Charakters sein kann, dokumentiert beispielsweise der Trailer zum Film »True Fiction«, der im Medienzentrum konzipiert und gedreht worden ist.
Unter dem Motto »always beta«, das als Rahmung für ein stetes Werden und Prozessieren gelten soll, wollen wir auch weiterhin Druck machen, gerne auch in Sachen »web & print« – noch lieber aber immer auch darüber hinaus. Wir kochen aber auch nur mit Wasser. Auf die nächsten zehn Jahre Medien& Bildung am Medienzentrum EPB.

Bleiben Sie uns gewogen.

Für das Team vom Medienzentrum,
Wey-Han Tan und Sebastian Plönges


Literaturtipps
» Fromme, Johannes und Werner Sesink (Hg.): Pädagogische Medientheorie. Wiesbaden 2008.
» Krämer, Sybille (Hg.): Medien, Computer, Realität: Wirklichkeitsvorstellungen und neue Medien. Frankfurt/Main 1998.
» Münker, Stefan und Alexander Roesler (Hg.): Was ist ein Medium? Frankfurt/Main 2008.

Download des KVV Medien&Bildung (*.pdf ca. 2,5mb) für das Wintersemester 2010/11.