Bücherstapel

Ganze Regalmeter der Bibliothek, viele Kilogramm schwere Buchstapel und dazu noch den aktuellen Roman der Wahl in einem kompakten Lesegerät? Die Vorzüge von eBook-Readern liegen im wahrsten Sinne des Wortes auf der Hand. Andererseits wird der Technologie mit Skepsis begegnet, die Geräte häufig als eine Brückentechnologie aufgefasst, die weder ausgereift ist noch die Vorzüge „echten“ Papiers wettmachen kann. Mit dem Resultat, dass eBook-Reader nach wie vor ein Nischendasein fristen.

Die mit Abstand häufigste Frage, die einem in Diskussionen um Vorzüge und Nachteile der Lesegeräte begegnet, lautet: „Kann das Gerät denn wirklich ein Papierbuch ersetzen!?“ Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten – weder theoretisch noch praktisch. Dafür spielen individuelle Vorlieben und die Vielzahl unterschiedlicher Gebrauchskontexte eine zu große Rolle. So macht es beispielsweise einen erheblichen Unterschied, ob Bücher umfangreich mit Notizen und Unterstreichungen bearbeitet werden müssen, platzsparend unterwegs zur Hand sein sollen oder vor allem die Lektüre kürzerer Aufsätze geplant ist. Mit diesem Artikel sollen keine Kaufempfehlungen für konkrete Modelle ausgesprochen werden, sondern eher ein Überblick über das derzeitige Angebot an Lesegeräten gegeben sowie auf essentielle Unterschiede hinsichtlich der dabei zum Einsatz kommenden Technologie (und potentielle Folgen für ihre Nutzer) hingewiesen werden. Unterschiede also, die unserer Meinung nach bei individuellen Kaufentscheidungen berücksichtigt werden sollten.

E-Ink vs. LCD

Papiersimulation: das „E-Ink“-Display des Kindle

Papiersimulation: das „E-Ink“-Display des Kindle

Die „E-Ink“-Technologie („elektronische Tinte“) simuliert bedrucktes Papier. Der Bildschirm wird dabei nicht aktiv beleuchtet und spiegelt kaum: Anders als auf hintergrundbeleuchteten LCD-Bildschirmen („Liquid Crystal Displays“) sind daher Textdokumente auch bei direkter Lichteinstrahlung oder hellem Sonnenschein gut lesbar. Bei schlechten Beleuchtungsverhältnissen benötigen E-Ink-Displays dagegen wie gedruckte Bücher eine externe Lichtquelle. Im Allgemeinen werden die passiven Displays als sehr augenschonend wahrgenommen – im Gegensatz zu LCD-Bildschirmen, bei denen häufig von Ermüdungserscheinungen nach längerem Lesen berichtet wird.
Die Darstellung des Umblätterns von Seiten gelingt auf LCD-Displays zügiger. Reader mit E-Ink-Technologie bauen Seiten mit leichter Verzögerung auf, was sich beim schnellen Durchblättern oder der manuellen Seitensuche negativ bemerkbar machen kann.
Generell lässt sich sagen, dass die Darstellung von Schrift und die generelle Lesbarkeit auf E-Ink-Basis höher bewertet wird, LCD-Displays aber mit besseren Reaktionszeiten und nicht zuletzt mit Blick auf die Darstellbarkeit von Farben punkten (E-Ink stellt Schrift und Abbildungen nur monochrom dar).

Akkulaufzeit

Ein weiterer positiver Nebeneffekt hängt direkt mit den unterschiedlichen Displays zusammen: Die E-Ink-Geräte verbrauchen wesentlich geringere Mengen an Strom als vergleichbare LCD-Modelle. Entsprechend ist die Akkulaufzeit um ein Vielfaches höher als bei LCD-Tablets, die je nach intensiver Nutzung täglich aufgeladen werden müssen. Die Akku-Laufzeit eines durchschnittlichen E-Ink-Reader reicht dagegegen in der Regel bis zu mehreren Wochen.

Datenformate und Kopierschutz

Hinsichtlich der auf den unterschiedlichen Lesegeräten nutzbaren eBook-Formate herrscht derzeit noch Chaos: Einen einheitlichen Standard gibt es nicht – man fühlt sich an die Situation bei Musikdateien erinnert, ehe sich die MP3-Kodierung als Standardformat durchsetzte. Die einzelnen Anbieter von eBook-Readern und eBooks konkurrieren mit unterschiedlichen Dateiformaten und Kopierschutzsystemen, die zum Ärger der Nutzer nicht ohne Weiteres miteinander kompatibel sind. So sind etwa die via Amazon oder iTunes erworbenen eBooks auf den Lesegeräten anderer Hersteller nativ nicht zu gebrauchen (auf iOS- und Android-Betriebssystemen können allerdings unter Zuhilfenahme einer kostenlosen Kindle-App bei Amazon erworbene Bücher gelesen werden).
Unverzichtbares Werkzeug in diesem Dschungel von Dateiformaten ist die freie Open Source-Software „Calibre“. Sie ermöglicht die Verwaltung und Konvertierung aller derzeit üblichen Dateiformate sowie das Übertragen der Dateien auf das jeweilige Lesegerät. Auch wenn das Interface-Design der Anwending derzeit noch gewöhnungsbedürftig ist, erleichtert Calibre den alltäglichen Gebrauch von eBooks ungemein und sei interessierten LeserInnen daher an dieser Stelle ausdrücklich empfohlen. Nicht zuletzt, weil so auch auf jedem Lesegerät das offene EPUB-Format genutzt werden kann, in dem mittlerweile zahlreiche gemeinfreie Werke (etwa des Gutenberg-Projekts) verfügbar gemacht worden sind.
Generell muss festgehalten werden, dass das Durcheinander der Formate, die restriktiven Kopierschutzmaßnahmen der eBook-Anbieter und die eingangs erwähnten Skepsis gegenüber dem Medium als solchem wohl am ehesten als die limitierenden Faktoren der neuen Technologie zu begreifen sind.

Preise

Reine eBook-Reader sind mittlerweile für etwa 100 Euro zu haben. Es lohnt sich, auf aktuelle Angebote zu achten. Tablet-PCs wie iPad, GalaxyPad und das bisher nur in den USA erhältliche Kindle Fire sind mehr als bloße Lesegeräte: Sie ermöglichen ihren NutzerInnen wesentlich mehr Anwendungen, sind aber in der Anschaffung entsprechend kostspieliger. Es folgt eine kurze Übersicht über aktuelle Modelle der führenden Hersteller. Mit Blick auf die Preise lohnt sich die Suche nach möglicherweise aktuelleren Angeboten:

Tablet-PC.

  • Apple iPad 2: ab EUR 480,– (Tablet-PC, Wi-Fi, LCD-Touchscreen)
  • Kindle Fire: circa $200,– (Tablet-PC, Wi-Fi, Touchscreen – aber bisher nur in den USA erhältlich)
  • Samsung Galaxy Tab: circa EUR 350,– (Tablet-PC, Wi-Fi, Touchscreen)

Reine eBook-Reader.

  • Kindle, verschiedene Modelle: ab EUR 100,– (E-Ink, Wi-Fi, Keyboard oder Touchscreen)
  • Sony PRS-T1: circa EUR 150,– (E-Ink, Wi-Fi, Touchscreen)
  • iRiver Story HD: circa EUR 140,– (hochauflösendes E-Ink-Display, großer Speicher)
  • Kobo Touch: circa EUR 90,– (E-Ink, Touchscreen, Wi-Fi)
  • Thalia Oyo: circa EUR 120,– (E-Ink, Touchscreen, Wi-Fi)

Wenn Sie die Anschaffung eines eBook-Readers für Studium oder Lehre planen, wenden Sie sich für nähere Informationen gerne an das *mms-elb. Wie oben angedeutet sind es vor allem die beabsichtigten Nutzungskontexte, die über Sinn und Unsinn der Anschaffung spezifischer Modelle entscheiden. Wir starten derzeit ausgiebigere Praxistests intensiver Textarbeit mit verschiedenen eBook-Readern und Tablet-PCs. Einen Erfahrungsbericht werden wir anschließend in diesem Blog veröffentlichen.

Weiterlesen

  • Felix Schaumburg hat ein Review über sein Kindle geschrieben.
  • Eine Vielzahl von eBook-Readern im direkten Vergleich (viele Hersteller und Modelle).
  • eBook-Reader im Test der Stiftung Warentest (test 10/2010) (kostenpflichtiger Artikel).

Abbildungen: Foto „Bücherstapel“ von Reilly Butler (Flickr), cc-Lizenz. Danke! Foto „E-Ink“-Display eigenes Material.