Cover_Themenheft Medien und Bildung WiSe2013-14Editorial des Themenheftes Medien&Bildung (*.pdf ca. 2,5 MB) für das Wintersemester 2013/14.

Historisch sind die ersten Überlegungen zu barrierefreien Umgebungen im Bauwesen thematisiert worden. Im Zuge der Beschäftigung mit der Frage, wie eine für alle Menschen gleich- berechtigte Nutzung der baulich gestalteten Umwelt ermöglicht werden könne, rückten erstmals explizit die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen in den Fokus architektonischer Überlegungen: Wie kann durch bauliche Maßnahmen eine selbstbestimmte Teilhabe am öffentlichen Leben gewährleistet werden? Die grundlegende Zugänglichkeit aller öffentlichen Gebäude (etwa durch Rampen, Fahrstühle und verbreiterte Türen) zielt darauf ab – jedoch erschöpft sich umfassende Barrierefreiheit nicht in grundlegenden Maßnahmen dieser Art: sie sieht darüber hinaus vor, dass neben Gebäuden sowie öffentlichen und privaten Orten allen Menschen auch Verkehrsmittel, Gegenstände des täglichen Gebrauchs, Arbeitsplätze, Angebote zur Freizeitgestaltung oder Dienstleistungen ohne fremde Hilfe zugänglich sind. Damit gehört beispielsweise die Verfügbarkeit offizieller Formulare und Dokumente in sog. „Leichter Sprache“ zu den Maßnahmen zur Erreichung von Barrierefreiheit. Ebenso die Arbeit von Sonderpädagogen in sogenannten „inklusiven Klassen“ an Regelschulen oder Übersetzungen durch Gebärdensprachdolmetscher im Rahmen (öffentlicher) Vorträge. Den konkreten Maßnahmen geht allerdings immer eine be- wusste Reflexion der Bedürfnisse voraus; nur so lässt sich das die in einer UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen unter dem Schlagwort „Inklusion“ normativ geforderte vollständige und gleichberechtigte Teilhabe an allen gesellschaftlichen Prozessen verwirklichen.

Im Zuge fortschreitender Digitalisierung begegnet man zudem häufiger der Forderung nach digitaler Barrierefreiheit bzw. einem barrierefreien Internet. Hierbei wird nicht nur der stetig zunehmenden Bedeutung internetbasierter Kommunikation zu Zwecken gesellschaftlicher Teilhabe Rechnung getragen sondern auch dem Umstand, dass insbesondere Menschen mit Behinderungen„außergewöhnlich Internet- und Web-2.0-affin“ sind – zu diesem Ergebnis kommt eine von der Aktion Mensch in Auftrag gegebene Studie zur Internetnutzung durch Menschen mit geistiger Behinderung aus dem Jahr 2011 (http://publikationen.aktion-mensch.de/barrierefrei/Studie_Web_2.0.pdf).

Die Bedeutung der barrierefreien Nutzbarkeit digitaler Medien und des Internets kann zu Zwecken einer selbstbestimmten Lebensführung gar nicht überschätzt werden – insbesondere in einer Gesellschaft, in der der Alltag immer stärker durchdrungen ist von allgegenwärtigen digitalvernetzten Medien. Trotzdem werden Forderungen nach der Ausbildung von Medienkompetenz an Schulen und Hochschulen oder die Einbindung digitaler Medien in den Unterricht häufig selbst als eine Hürde wahrgenommen. Mitunter ist es aber gerade das Überwinden der ersten Hürde, das die Überwindung folgender Hürden erleichtern kann: Der kompetente Umgang mit dem digitalen Medium und seine selbstbestimmte Nutzung verhindert das Gefühl von Ohnmacht, das Barrieren allzu häufig verursachen können. In diesem Sinne versuchen auch wir den Sprung ins kalte Wasser und präsentieren unser Themenheft „Medien & Bildung“ erstmals barrierefrei. Weitere Anregungen zu den Möglichkeiten des Einsatzes digitaler Medien finden Sie auf den Seiten 8 bis 11. Darüber hinaus gibt es auch in diesem Semester wieder eine Reihe von Lehrveranstaltungen und Workshops die sich dieser Thematik widmen und auch einige Beiträge in dieser Ausgabe des Themenheftes „Medien & Bildung“ beschäftigt sich hiermit.
Wir wünschen Ihnen ein möglichst barrierefreies Semester.

Für das Team vom Medienzentrum, Ralf Appelt und Sebastian Plönges

PS: Die hier angehängte PDF Datei wurde von uns auf Barrierefreiheit geprüft. Sollten Sie auf noch existierende Barrieren stoßen, so freuen wir uns über Hinweise, so dass wir die Datei ggf. weiter optimieren können.