Cover-themenheft_MuB_WiSe_2014Editorial des Themenheftes Medien & Bildung (.pdf, ca. 1 MB) für das Wintersemester 2014/15.

»VMP8, R. 05«, »Sed19, 147«, »E-032« – so lauten einige Namen für Seminarräume der Hamburger Fakultät für Erziehungswissenschaft. Räume also, in denen auch im Wintersemster 2014/15 wieder unterschiedlichste Lehrveranstaltungen durchgeführt werden. In denen gelehrt, gelernt und sich gebildet werden soll. Führen wir uns die ganze Universität vor Augen, nicht nur die Seminarräume, sondern Einrichtungen, Abteilungen und Dienste – dann könnte man doch erwarten, dass sich hier optimale Lern- und Bildungsräume finden lassen. Und welcher Ort könnte dafür geeigneter sein als eine Universität, noch dazu ihre Fakultät für Erziehungswissenschaft? Jener wissenschaftlichen Disziplin also, deren Vertreter_innen sich mit Fragen der Erziehung, des Lernens und der Bildung auseinandersetzen?
Der Begriff »Raum« lässt sich noch weiter fassen: Hierbei wollen wir gar keinen Unterschied machen zwischen physischen und digitalen Räumen – wir meinen beide und ihr Dazwischen. Auf »Raum« beziehen wir uns also nicht nur in einem engen, architektonischen Sinne, sondern mit Bezug auf Umgebungen in einem erweiterten Sinne. Wir schlagen vor, Raum als Medium zu begreifen, das Form–Bildungen gestattet – eine Lesart, die digitale Räume explizit nicht ausschließt und die Unterscheidung von Analog/Digital von vornherein zu unterlaufen versucht (vgl. das Editorial des letzten Themenhefts aus dem Sommersemester 2014, »Die Welt wird nie wieder analog«). Lange waren Räume über ihre Funktion definiert: An unserer Fakultät gibt es zwar kein Sprachlabor, aber es gibt Seminarräume, Hörsäle, das ComputerLernstudio, ein GamingLab, das MultiMedia-Studio, die Grundschulwerkstatt, EduCommSy, die Blogfarm und Olat. Auch Stine gehört vermutlich im weitesten Sinne zu den digitalen Lernräumen. Es gibt aber auch die Mensen auf dem Campus, Flure und Wartebereiche, das Foyer im VMP 8, das Café Paranoia und andere gastronomische Einrichtungen. Natürlich auch die Bibliotheken und dortige Gruppenarbeitsräume und Einzelarbeitsplätze. All diese Räume warten mit spezifischer Ausstattung auf: Möbel, Features der Software, Präsentationsmedien, teilweise Arbeitsgeräte.

CC-BY-SA Folkestone Triennial: Banksy »Art Buff« (2014)

CC-BY-SA Folkestone Triennial: Banksy »Art Buff« (2014)

Wie lässt sich nun aber ein Raum erkennen der optimal zum Lernen oder zum (sich) Bilden geeignet ist? Welche Voraussetzungen muss ein solcher Raum erfüllen und wie berücksichtigt diese Raumgestaltung die Ansprüche verschiedener didaktischer Szenarien, unterschiedliche Lerntypen, Stimmungen oder Fragestellungen? Ein optimaler Lernraum benötigt Offenheit wie Geschlossenheit: Er sollte offen sein für Input und Output, Diskussionen und Kontroversen, Ruhe und Unruhe. Für Schulen und Hochschulen stellen diese Anforderungen eine Herausforderung dar: Denn einerseits dürfen sie ihre gesellschaftliche Funktion nicht vernachlässigen, sie müssen auch weiterhin Lern- und Bildungsprozesse in Gang bringen, am Laufen halten und in Form von Zensuren oder Abschlüssen ihren Erfolg zertifizieren. Andererseits müssen sie auf veränderte gesellschaftliche Bedingungen des Lehrens und Lernen reagieren, sich öffnen und selbst Lernbereitschaft signalisieren – etwa von der Architektur informeller Lernorte. Und von neuen Arten der Zusammenkunft, wie beispielsweise vergleichsweise offenen Sessions auf Barcamps oder ortsunabhängigen Arrangements (z.B. MOOCs).
Mit einem hinreichenden Maß an Offenheit gegenüber neuen Ideen kann diese Grat-
wanderung gelingen. Spekulation muss erlaubt und sollte erwünscht sein. Wir fragen also ganz direkt: Welche Anforderungen an einen Raum haben Sie, um dort gut lernen zu können? Wie unterscheidet sich ein Erziehungs- von einem Lernraum, wie ein Lern- von einem Bildungsraum? Wie sehen Sie diese Anforderungen an der Universität erfüllt? Was fehlt und welche Verbesserungsvorschläge haben Sie?
Für das kommende Semester wünschen wir Ihnen in jedem Fall die erforderlichen Zeiträume zum Gestalten Ihrer persönlichen Lern- und Bildungsräume, so dass einem interessantem und aufschlussreichem Studium nichts im Wege steht.
Für das Medienzentrum
von Ralf Appelt und Sebastian Plönges.

Zur weiteren Lektüre bietet sich z.B. der online frei zugängliche (http://2014.gmw-online.de) Tagungsband zur Tagung »Lernräume gestalten – Bildungskontexte vielfältig denken« der GMW 2014 in Zürich an.

  • Rummler, Klaus (2014): Lernräume gestalten – Bildungs- kontexte vielfältig denken. Bd. 67. Medien in der Wissenschaft. Münster
  • Baecker, Dirk (2009/2010): Die nächste Stadt. Ein Pflichtenheft, Friedrichshafen