Cover-themenheft_MuB_SoSe_2015
Editorial des Themenheftes Medien & Bildung (.pdf, ca. 1,5 MB) für das Sommersemester 2015.

»As technology advances, it reverses the characteristics of every situation again and again. The age of automation is going to be the age of ›do it yourself‹.«
Marshall McLuhan

»Do It Yourself (DIY)« – das Schlagwort verweist auf eine Haltung des Selbermachens, des Improvisierens, des Bastelns. Entscheidend ist und war für den DIY-Gedanken, dass Menschen ohne professionelle Hilfe funktionsfähige Produkte herstellen, seien es eigene Möbel, selbstgeschneiderte Mode, in Eigenregie veröffentlichte Magazine (sog. »Fanzines«), Skateparks oder Musik. Der Slogan findet in den USA spätestens seit den 1950er Jahren eine breite Verwendung, zunächst in Bezug auf die Heimwerkerei, »in reference to the emergence of a trend of people undertaking home improvement and various other small craft and construction projects as both a creative-recreational and cost-saving activity«.(1) Auf der ersten Ausgabe des »Whole Earth Catalog« (in dem später u.a. Heinz von Foerster publizieren sollte) prangte 1968 der programmatische Untertitel: Access to Tools.

In der Folgezeit wurde der Begriff DIY zunehmend im übertragenen Sinne verwendet, etwa von den frühen Hackern (»Hands on!«, vgl. Themenheft Medien & Bildung SoSe 2013, S. 8f.) und Elektronikbastlern, aber auch in der Punk- und Hardcore-Szene fand und findet er bis heute Verbreitung (etwa wenn auf eigene Plattenlabels samt Merchandise oder selbstverwaltete Konzertlocations verwiesen wird). Selbst lange Zeit altbacken klingende DIY-Klassiker sind heute wieder hip und angesagt. Zum Beispiel das Häkeln und Stricken – großmütterliche Tätigkeiten, die vor zehn Jahren bestenfalls zur Karikatur der »typischen Pädagogikstudentin« hervorgeholt wurden – sind heute wieder beliebt. Wie alles, was oldschool & vintage daherkommt. Spätestens seit der Erfindung des Web 2.0 und seiner Onlinecommunities (2) erreicht Handgemachtes ein breites Publikum und die DIY-Bewegung steht hoch im Kurs. Bei Handarbeiten ist aber längst noch nicht Schluss: Das »Selbstmachen« erstreckt sich wieder auf das Gestalten von Möbeln und die Anpassung der eigenen vier Wände. Nicht zuletzt trägt das griffige Kürzel #DIY zur Verbreitung des eigenen Schaffens und zum Aufblühen der Bewegung bei.

Früher hat man Kurse bei der Volkshochschule besucht oder eine Lehre gemacht um bestimmte handwerkliche oder Handarbeiten ausführen zu können; oft brauchte man hierzu spezielle Werkzeuge, die nicht ohne weiteres verfügbar waren. Die Voraussetzungen für das selbsttätige Gestalten und Entwickeln haben sich geändert. Zum einen gibt es neben analogen Gestaltungsmöglichkeiten mittlerweile auch eine Vielzahl von Möglichkeiten, digitale Produkte zu gestalten und anzupassen. Letzteres geht einher mit der neuen Verfügbarkeit einfacher Programme und Apps zur Gestaltung, die zum Teil auf dem Smartphone installiert werden können und somit jederzeit zur Hand sind. Aber auch die Produktion analoger Produkte mit teuren Geräten ist einfacher geworden: In vielen Städten wurden sogenannte »Makerspaces« und »FabLabs« (Fabrication Laboratories) gegründet, in denen man die voraussetzungsvolle Handhabung professioneller Geräte (3D-Drucker, Fräsen u.ä.) erlernen kann und die oft einen niedrigschwelligen Zugang erlauben.

Druckkopf des 3D-Druckers in Aktion

Druckkopf des 3D-Druckers in Aktion

Die Kenntnisse für einfachere DIY-Projekte kann man ganz informell im Internet erwerben. Eine Vielzahl von Websites und Videos zeigen in Tutorials auf, welche Schritte erforderlich sind, um ein bestimmtes Vorhaben umzusetzen und geben Anregungen, was mit Hilfe bestimmter Arbeitsmethoden produziert werden kann.

Neben solchen informellen Lernprozessen, die häufig auch große autodidaktische Anteile haben, erscheint uns mindestens ein weiterer Aspekt dieser generellen Entwicklung bemerkenswert: Es geht in den DIY-Communities nicht unbedingt und letztgültig um das jeweilige Endprodukt der Gestaltungsprozesse.
Sondern auch und besonders ums Machen selbst. Die Emanzipation von vorgefertigten (analogen und digitalen) Produkten ist ein ebenso zentrales wie spannendes Element der Bewegung. Mit Übung gewinnen die Produkte an Qualität, Tipps und Tricks werden ausgetauscht – im Vordergrund steht dabei immer das Erreichen einer gewissen Unabhängigkeit von vorgegebenen Lösungen. Es geht den DIY-Bastlern nicht darum, jedes Mal das Rad neu zu erfinden. Sondern darum, es den eigenen Bedürfnissen anzupassen.

Wir möchten Sie unterstützen, Ihre Lehr- und Lernumgebung anzupassen, sei es in den Workshops (z.B. mit den selbst erstellten Erklärfilmen, Bildbearbeitung u.ä.) oder mit der Ausstattung des Medienzentrums (Filmschnitt-Arbeitsplätzen, 3D-Drucker, u.ä.). Aber auch in der Offenen Werkstattdes Medienzentrums;dort können Sie selbstständig arbeiten und ausprobieren – gleichzeitig steht ihnen ein Mitarbeiter des Medienzentrums zur Seite und kann Hilfestellung geben.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen viel Geschick bei der Gestaltung des kommenden Semesters und freuen uns auf Ihren Besuch, Projekte, Fragen und Anregungen.
Für das Team vom Medienzentrum Ralf Appelt, Sebastian Plönges und Christina Schwalbe

1) Vgl. Do it yourself. (2015, March 26). In Wikipedia, The Free Encyclopedia. Retrieved 10:13, March 30, 2015, from http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Do_it_yourself&oldid=653654565
2) Dawanda seit 2006 Etsy mit Deutschem Angebot seit 2011 (vgl. Google Trends »DIY« in Deutschland http://www. google.de/trends/explore?hl=de&q=diy&geo=DE&cmpt=geo&tz&content=1#q=diy&geo=DE&cmpt=geo&tz=)