Was ist eine „Twitterwall“?

Im Sichtfeld von Vortragenden und Publikum befindet sich eine Projektionswand, auf der eine Internetseite dargestellt wird (ein  twitter-Nachrichtenstream). Diese Internetseite zeigt, stets aktualisiert, schriftliche Kurznachrichten des Publikums als Kommentar zur laufenden Präsentation und ermöglichen ein synchrones Feedback zum Vortrag; ein sogenannter „Backchannel“. Die Nachrichten können maximal 140 Zeichen lang sein und werden von mobilen, internetangebundenen Geräten wie z.B. Notebooks und Smartphones aus gesendet.

Didaktisch-organisatorische Vorteile:

  1. Einladung zur Mitgestaltung: Einbindung des Publikums in den inhaltlichen oder organisatorischen Ablauf einer Präsentation oder Lehrveranstaltung. Der oder die Lehrende erhält synchrones Feedback zur augenblicklichen Aktivität, dies kann insbesondere bei Podiumsdiskussionen die Aufnahme und Dokumentation von Publikumsfragen erleichtern. Bei entsprechender technischer Ausstattung kann eine Twitterwall Einzelmeinungen ‚zurückspeisen‘ in den Diskussionsfluß. Eine Twitterwall ist damit ein qualitatives Gegenstück zu quantitativen „Student Response Systemen“ wie z.B. iCue.
  2. Paralleler Kommunikationskanal: Die Twitterwall als Backchannel ermöglicht die synchrone Führung zweier – oder mehr – Diskussionsstränge. Das Publikum kann nicht nur  kommentieren, sondern auch auf die Kommentare eingehen, diese vertiefen, diskutieren, verlinken, ohne dass die Hauptpräsentation gestört würde. Es ist so die Bildung spontaner, alternativer Diskussionsstränge quer über ein größeres Publikum hinweg möglich. Durch den öffentliche Kommunikationskanal wird der Vortrag so inhaltlich angereichert und durch den Aufforderungscharakter partizipativer und lebendiger.
  3. Synchrone Protokollierung: Abschnitte der Präsentation, die auf besonderes Interesse oder Diskussionsbedarf stoßen, werden durch die Kurzmitteilungen automatisch dokumentiert. Es kann eine Art punktuelles Verlaufsprotokoll entstehen. Die Tweets können auch nach Beendigung der Präsentation ausgelesen und in den Tweet-Schwerpunkten nachverfolgt, Links nachträglich besucht oder asynchron an Dritte empfohlen (favorite), weitergegeben (retweet) oder kommentiert (reply) werden.
  4. Öffnung der Präsentation: Im Zusammenhang mit 3.) wird eine Präsentation, die auf allgemeines, über die Veranstaltung hinaus gehendes Interesse stößt, auf technisch unaufwändige Weise der Twitter-Community geöffnet. Dies kann ggf. auch als Problem wahrgenommen werden.

Tina Guenther: „Twitterwall1“; Bild von der re:publica 2009, CC BY-NC-SA. Die Sprechblasen enthalten synchrone Publikumsbeiträge parallel zur Diskussion auf der Bühne.

Benötigte Infrastruktur:

  • Internetanschluß
  • Beamer und Projektionsfläche
  • Twitteraccount, ggf. speziell für die jeweilige Veranstaltung
  • Vor der Präsentation Bekanntmachung eines kurzen, eindeutigen #Hashtags, der die Filterung von Tweets zu einer bestimmten Präsentation ermöglicht.

Mögliche Probleme:

  • Ablenkung des Publikums durch parallele Twitterkommunikation vom eigentlichen Hauptereignis. Es empfiehlt sich eine Platzierung der Twitterwall im Sichtbereich von Publikum und PräsentatorIn, aber nicht direkt neben oder hinter der PräsentatorIn.
  • Ohne mobiles, internetfähiges Endgerät und einen Twitteraccount können TeilnehmerInnen nicht aktiv an der Twitterwall teilnehmen.
  • Möglichkeit von Spamming, beleidigenden Inhalten oder Ähnlichem durch die absolute Öffnung des Kommunikationskanals

Weiterführende Links:

Alternativen

Über Angebote wie Etherpad (bald in CommSy 9 verfügbar) oder Google Docs können über an die Wand gebeamte Textdokumente als Grundlage für ein gemeinschaftlich erstelltes, progressives Protokoll dienen. Dabei wird jede Teilnehmerin des Seminars eingeladen, Idee, Beobachtungen, Schlußfolgerungen oder weiterführende Informationen in das wachsende Dokument einzupflegen.

Tags

Verwendungszweck: kollaboratives Arbeiten, Live-Feedback, Öffnung der Veranstaltung, Partizipation, Protokollierung

Technische Ausstattung: Beamer, Internetanschluss (Teilnehmende), Internetanschluss (Veranstalter), Projektionswand, Twitter