Workshop „Erstellung barrierefreier Texte für Studium und Beruf“

eine Collage von drei Fotos // von links nach rechts: ein junger Mann am PC lesend und schreibend / eine Gruppe von zwei Frauen und zwei Männern beim gemeinsamen Nutzen eines iPad / Braille-lesende Finger auf einem Papierbrailletext // Fotos: blista Marburg

Beschreibung

Beschreibung

Der Landesaktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) stellt den Universitäten und Hochschulen des Landes Hamburg die Aufgabe, die „Einrichtung eines Literaturumsetzungsdienstes für nichtveröffentlichte Studienunterlagen (Handlungsfeld Bildung  – Hochschulbildung / Tertiärbereich, Punkt 1.2)“ intensiv voranzutreiben.

Dabei geht es im Sinne der UN-BRK um das Entwerfen einer inklusiven Lösung, das heißt, es geht nicht vordergründig um das Beseitigen von konkreten Barrieren für blinde und hochgradig sehbehinderte Studierende (durch nachträgliches Überarbeiten von Studienmaterialien), sondern um das Umsetzen des Prinzips des universal design. Übertragen auf dieses Feld gilt es, ein zukunftsfähiges, nachhaltiges und barrierefreies Konzept von Studientexten zu entwerfen, die in ihrer Grundanlage zugänglich für alle Studierenden sind.

Auf nationaler und internationaler Ebene laufen dazu vielfältige Initiativen (z. B. zum Standard DAISY) und es gibt insbesondere innerhalb der bundesdeutschen Universitätslandschaft einige Servicestellen mit „Erfahrungsvorlauf“ (Dortmund, Marburg, Karlsruhe, Dresden…). Weiterhin haben die Ressourcenzentren im schulischen Bereich Erfahrungen in der Umsetzung von Schulbüchern in eine barrierefreie Form. Die Forschung auf dem Gebiet barrierefreier Texte im Kontext Arbeit kann im Rahmen der Umsetzung der Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik nach dem Behindertengleichstellungsgesetz (Barrierefreie-Informations­technik-Verordnung – BITV 2.0) verortet werden (z. B. am Forschungsinstitut Technologie und Behinderung).

Auf der anderen Seite sind z. B. an den Hamburger Universitäten und Hochschulen sehr unterschiedliche Personen und Institutionen an der Erstellung, Verteilung und ggf. Überarbeitung von Studientexten beteiligt (Büros von Arbeitsbereichen, Medienzentren, Druckereien, E-Learning-Büros…). Weitere Partner, z. B. an den Wissenschaftlichen Bibliotheken in Hamburg, gilt es zusammenzuführen. Gleichzeitig ist dieses Thema jedoch auch für die Stellen der Verwaltungen der Universitäten und Hochschulen von Interesse, die interne und externe Papiere erstellen (deren Zugänglichkeit im Rahmen eines grundlegenden diversity-Verständnisses zumindest mittelfristig auch gewährleistet sein sollte). Darüber hinaus soll der Workshop auch Studierenden der unterschiedlichen Studiengänge die Möglichkeit einer vertieften Beschäftigung mit dem Themenfeld ermöglichen.

Der geplante Workshop möchte also im Kern zwei Ebenen miteinander verbinden:

  • Erfahrungsaustausch und Konzeptentwicklung zum Modell eines inklusiv ausgerichteten Literatur-Umsetzungsdienstes (Expertengespräche, Podium, Kurzvorstellungen)

und

  • Schulungen zur Erstellung barrierefreier Texte für Studium und Beruf (Praxisworkshops).

 

Programm

Programm

Freitag, 04.04.2014


Schematisches Bild von einem Gebäude als Symbol für VeranstaltungsortUniversität Hamburg
Edmund-Siemers-Allee 1
20146 Hamburg
ESA 1 Flügel West, Raum 221

13:00 – 14:00 Anreise
14:00 – 14:15 Eröffnung, Begrüßung an der Universität Hamburg
14:15 – 14:45 Prof. Dr. Thomas Kahlisch, DZB, Leipzig
Chancen und Herausforderungen des inklusiven Publizierens am Beispiel DAISY und EPUB 3

Marktübliche Smartphones und Tablets zeigen wie es geht, mit universellem Design und dem Einsatz assistiver Technologien Informationsangebote barrierefrei zu gestalten. Wie sieht es mit der Zugänglichkeit der für diese Geräte angebotenen E-Books aus und welche Chancen und Herausforderungen  liegen in der Anwendung offener Standards und Technologien wie dem neuen E-Book-Standard EPUB3? Welches Potenzial besitzt EPUB3 für die Gestaltung barrierefreier Studienmaterialien und Lesesysteme für Studierende mit einer Behinderung?

14:45 – 15:00 Diskussion, Nachfragen
15:00 – 15:30 Univ.-Prof. Dr. Christian Bühler, TU Dortmund & Forschungsinstitut Technologie und Behinderung (FTB)
barrierefreie Informationstechnik – Rückschau und Ausblick

Lange wurden und werden Menschen mit Behinderung beim Zugang zu Information und Kommunikation behindert. Früher waren die technischen Möglichkeiten noch eingeschränkt und konnten als Entschuldigung angeführt werden. Seit den 1990-ziger Jahren hat sich das schrittweise geändert: Die technologische Basis ist sehr viel leistungsfähiger geworden, der Zugang zu digitaler Information unverzichtbar und aus Erfahrungen und Empfehlungen zur Barrierefreiheit wurden Richtlinien und gesetzliche Rahmenbedingungen und Verordnungen abgeleitet.

Zumindest seit der Verabschiedung der Gleichstellungsgesetze für Menschen mit Behinderung, spätestens aber seit der Ratifikation der UN-BRK sind die öffentlichen Träger –also auch die Universitäten und Hochschulen – verpflichtet ihre Informationsangebote barrierefrei zu gestalten. Eine wesentliche Grundlage bildet hier der ISO-Standard ISO/IEC 40500:2012 [Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.0]. In Deutschland wurde dieser Standard in der BITV des Bundes (BITV 2.0) als Anhang 1 übertragen. Die Bundesländer schließen sich im Wesentlichen dieser Regelung auf dem Verordnungswege an. Mit dem Anhang 2 wurde die BITV 2.0 speziell für die Verwendung leichter Sprache und Gebärdensprache ergänzt. Mit dem BITV-Lotsen steht eine online-Ressource als Umsetzungshilfe zur Verfügung. Die europäische Entwicklung bewegt sich in die gleiche Richtung und wird mit einer zukünftigen Richtlinie ein einheitliches europäischen Regelwerk voranbringen.

15:30 – 15:45 Diskussion, Nachfragen

15:45 – 16:15 Kaffeepause

Konzepte und Erfahrungsberichte

16:15 – 16:30 Dr. Thorsten Schwarz, SZS, Karlsruhe
Studienzentrum für Sehgeschädigte (SZS) am Karlsruher Institut für
Technologie (KIT)

Ein kurzer Überblick über den Umsetzungsservice des SZS. Fachrichtungen, Schwerpunkte und technische Möglichkeiten.

16:30 – 16:45 Knut Büttner & Tobias Kalina, CSS, Marburg
Die halbe Welt aus dem 3D‑Drucker? Erste Erfahrungen mit der
3D-Drucktechnologie

Überblick zum Thema in Form von Praxisbeispielen aus der Arbeit an der Deutschen Blindenstudienanstalt Marburg (blista); die Beispiele stammen aus den Bereichen in den Unterrichtsfächern Mathematik, Physik und Biologie.

16:45 – 17:00 Ralph Klein, DoBuS, Dortmund
Der Umsetzungsdienst von DoBuS als Baustein inklusiver Hochschuldidaktik

17:00 – 17:15 Pause

17:15 – 17:30 Michael Schäffler, Schlossschule Ilvesheim
e-Buch-Standard des Arbeitskreises „Medienzentren der Bundesfach-kommission für die Überprüfung von Lehr- und Lernmitteln für blinde Schülerinnen und Schüler“

Der e-Buch-Standard wurde von einer Arbeitsgruppe im Auftrag des Arbeitskreises Medienzentren der Bundesfachkommission für die Überprüfung von Lehr und Lernmitteln für blinde Schülerinnen und Schüler erarbeitet. Er zielt darauf ab, die Qualität elektronischer Unterrichtsmaterialien – insbesondere die Übertragung von Schulbüchern – auf einem standardisierten Niveau sicherzustellen und durch eine einheitliche Gestaltung den bundesweiten Austausch und die mehrfache Verwendung dieser Dokumente zu erleichtern.

Im Workshop wird dieser E-Buch-Standard vorgestellt und anhand von Beispielen aus der Praxis angewendet.

17:30 – 18:00 Offene Diskussionsrunde zur Zukunft der Literaturumsetzung in Studium und Beruf

ab 18:30 Möglichkeit eines gemeinsamen Abendessens / get-together
(pakistanisches Restaurant, à la carte, Selbstzahler/in)

Sonnabend, 05.04.2014


Schematisches Bild von einem Gebäude als Symbol für VeranstaltungsortUniversität Hamburg
Von Melle Park 8
20146 Hamburg
PC-Räume 515, 516 und 517, Seminarräume

09:00 – 10:30 rotierende Praxisworkshops 01 / 02 / 04 / 05
10:40 – 12:10 rotierende Praxisworkshops 01 / 03 / 04 / 06
12:10 – 12:40 Mittagssnack (Seminarraum 05)
12:40 – 14:10 rotierende Praxisworkshops 03 / 02 / 05 / 06
14:15 – 15:00 Offene Diskussionsrunde zur Zukunft eines Literaturumsetzungsdienstes an den Hamburger Universitäten und Hochschulen – nächste Handlungsschritte (Vernetzung, Forschung, Projekte in Lehre und Verwaltung…)

  • Praxisworkshop 01: Cornelia Colditz, DZB, Leipzig / Seminarraum 06
    Von der Textvorlage zum barrierefreien digitalen Dokument (barrierefreie PDF)

In diesem Workshop werden die Teilnehmer zunächst mit den Anforderungen an barrierefreie digitale Dokumente vertraut gemacht. Im 2. Teil wird ganz konkret die Vorgehensweise zur Erstellung barrierefreier PDF-Dateien aus MS Word-Dokumenten gezeigt. Weiterhin werden Hilfsmittel zur Prüfung von PDF-Dokumenten vorgestellt

  • Praxisworkshop 02: Prof. Dr. Thomas Kahlisch & Martin Schulze, DZB, Leipzig / Seminarraum 106
    Elektronisch publizierte Bücher und Texte unter iOS nutzen

Ein großes Potential für den Zugang zu Informationen bieten E-Books. Als digitale Dokumente sind sie gegenüber dem gedruckten Buch barrierefrei nutzbar. In dem Workshop wird in einem Werkstattbericht erläutert, wie ein gedrucktes Buch in ein barrierefreies E-Book übertragen wird. Wie blinde und sehbehinderte Menschen Bücher auf Touch-Geräten wie iPhone oder iPad lesen und welche Möglichkeiten und Grenzen dabei bestehen, können sie im zweiten Teil des Workshops ausprobieren.

  • Praxisworkshop 03: Dr. Thorsten Schwarz, SZS, Karlsruhe / PC-Raum 515
    Den Wechsel zwischen verschiedenen Ausgabe- und Ausgangsformaten mit kostenfreier Software gestalten (LaTeX, Open Office…)

Die Umsetzung von Studienmaterialen für Sehgeschädigte ist eine sehr individuelle Sache. In Abhängigkeit der jeweiligen Seheinschränkung gilt es bestimmte Umsetzungsmethoden anzuwenden.

Dieser Workshop soll einen Einblick bzw. Überblick geben, wie verschiedenste Originaldokumente in ein zugängliches Format gebracht werden können (LaTeX, Microsoft Office Formate, PDF, etc.) und auf welche Umsetzungstechniken/-standards zu achten ist.

Ein Schwerpunkt wird die Verwendung kostenfreier und systemunabhängiger Programme sein (lauffähig unter Windows, Linux oder Mac OS X).

Soweit es die Zeit ermöglicht, werden auch Grundlagen im Bereich der Grafik-Umsetzung detaillierter beschrieben und erprobt.

  • Praxisworkshop 04: Ralph Klein, DoBuS, Dortmund / PC-Raum 516
    Aufbau eines Umsetzungsdienstes an einer großen Hochschule: Anforderungen, Arbeitsweise, Aufgabengebiete
  • Praxisworkshop 05: Knut Büttner & Tobias Kalina, CSS, Marburg / PC-Raum 517
    Der Einsatz des 3D-Druckers als Möglichkeit des Zugangs zu Abbildungen (insb. Geometrie)): Open Source Low Cost 3D Printing

Im Rahmen des Workshops informieren sich die Teilnehmer über Aufbau, Funktion, Betrieb, Wartung und Kosten von 3D-Druckern und 3D-Druckverfahren. Möglichkeiten der Erstellung digitaler Modelle (Design, freie und kostenpflichtige Objektdatenbanken) werden beispielhaft dargestellt. Mit einem vor Ort verfügbaren Drucker können erste Modelle von den Teilnehmern erstellt werden.

Der Workshop soll Raum für Diskussionen bieten, um die 3D-Drucktechnologie und ihren pädagogisch sinnvollen Einsatz kritisch zu bewerten. Auf praktischer Ebene soll die Fortbildung Anregungen für die weitere Arbeit bieten und Kooperationen ermöglichen.

  • Praxisworkshop 06: Michael Schäffler, Schloss-Schule Ilvesheim / PC-Raum 517 / 516
    Einführung in die Erstellung eines e-Buches im schulischen Kontext

Der e-Buch-Standard wurde von einer Arbeitsgruppe im Auftrag des Arbeitskreises Medienzentren der Bundesfachkommission für die Überprüfung von Lehr und Lernmitteln für blinde Schülerinnen und Schüler erarbeitet. Er zielt darauf ab, die Qualität elektronischer Unterrichtsmaterialien – insbesondere die Übertragung von Schulbüchern – auf einem standardisierten Niveau sicherzustellen und durch eine einheitliche Gestaltung den bundesweiten Austausch und die mehrfache Verwendung dieser Dokumente zu erleichtern.

Im Workshop wird dieser E-Buch-Standard vorgestellt und anhand von Beispielen aus der Praxis angewendet.

 

Anmeldung

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Veranstalter

Veranstalter

Büro für die Belange von Studierenden mit Behinderung oder chronischen Erkrankungen der Universität Hamburg in Kooperation mit dem Arbeitsbereich Pädagogik bei Beeinträchtigung des Sehens (Universität Hamburg, Fakultät Erziehungswissenschaft, Institut für Behinderten­pädagogik).


Ansprechpartner

Univ.-Prof. Dr. Sven Degenhardt
sven.degenhardt@uni-hamburg.de