Die digitale Zukunft der Universität


Ringvorlesung „Medien & Bildung“ im Sommersemester 2008
Dienstags 18:15 – 19:45 Uhr, Von-Melle-Park 8, Raum 504

Medien und Bildung hängen auf vielfältige Weise zusammen, auch wenn der Medienbegriff nicht auf „Neue“ oder „elektrische“ Medien verkürzt wird. Eine Pädagogik, die ohne Mittel und Mittler auskommt – un-mittel-bar sozusagen –, ist nicht denkbar. Und eine Bildungstheorie, die das Verhältnis von Subjekt und Gesellschaft ohne Berücksichtigung medientechnologischer Bedingtheiten zu beschreiben sucht, erscheint vor diesem Hintergrund lückenhaft.
Seit von „Neuen“ Medien, von „eLearning“, „Wissensmanagement“, „Schulen am Netz“ und „Virtueller Hochschule“ die Rede ist, erst recht seit eine neue Generation von „Digital Natives“ (Prensky) in Schulen und Hochschulen eingezogen ist, sind (neue) Medien zu einem „prioritären Thema“ (Oelkers/Keuffer) geworden, das als „inhaltliche Querdimension“ alle Sparten der Erziehungswissenschaft betrifft.
Mit der Ringvorlesung „Medien & Bildung“ geht es darum, ein interdisziplinäres Bezugsfeld zu erkunden, das von der Philosophie über die Kunst-, Medien- und Kulturwissenschaften bis zur Informatik reicht und einen Raum eröffnet für Diskussionen um pädagogisch-praktische wie bildungstheoretische Implikationen von Medien als Mittel und als Gegenstand der Auseinandersetzung von Ich und Welt.
Im Sommersemester 2008 sollen Fragen an die Institutionen der Bildung im Mittelpunkt stehen. Auch vor dem Hintergrund aktueller Hochschulentwicklungsprojekte (http://mms.uni-hamburg.de/epush) werden Unter- und Hintergründe, Visionen und konkrete Szenarien der digitalen Zukunft der Universität diskutiert.

8.4.08 Kommunikation, Kollaboration und Networking in virtuellen 3D-Welten – Beispiele und Perspektiven wissenschaftlichen Arbeitens in Second Life
Hanno Tietgens, Büro X, Hamburg,
Dr. Andreas Hebbel-Seeger, Universität Hamburg

Der „Campus Hamburg“ in der virtuellen Welt „Second Life“ entsteht in Zusammenarbeit mit den Hamburger Hochschulen auf Initiative der Medienagentur Büro X und bietet ein neues Forum für Forschung und Lehre am Wissensstandort Hamburg. Hamburg treibt mit diesem Projekt aktiv eine der spannendsten medialen Entwicklungen voran – den Weg zu einem dreidimensionalen Internet.
Nach einer kurzen Einführung in Aufbau und Struktur der virtuelle 3D-Welt Second Life, reflektieren Hebbel-Seeger und Tietgens das erste Semester Lehre und Forschung auf dem Campus Hamburg und skizzieren die Nutzungsperspektiven, die sich aus der Deutung virtueller Welten als hoch immersive Lehr- und Lernumgebungen ableiten.

22.4.08 Von der „Virtuellen Saar Universität“ zum „eCampus Saar“. Vom Projekt zur Struktur? Vom Projekt zur Struktur!
Prof. Dr. Christoph Igel, Virtuelle Saar-Universität

Welchen Beitrag können Bildungstechnologien zur Hochschulentwicklung leisten? Welche Besonderheiten, Rahmenbedingungen und Entwicklungskorridore gibt es hierfür in einem sich in tiefgreifenden Strukturveränderungen befindlichen Bundesland wie dem Saarland? Was ist geblieben nach fast 10 Jahren Visionen zur Bildungs- und Wissenschaftsentwicklung durch neue, digitale Medien im SaarLorLux-Raum, dem “Herzen Europas”?
Im Rahmen des Vortrages werden durch den Leiter des Competence Centers „Virtuelle Saar Universität“, Priv.-Doz. Dr. Christoph Igel, die wesentlichen Entwicklungslinien der Virtualisierung der Universität des Saarlandes seit 1999 aufgezeigt, der Sachstand nach externer Evaluation im Jahre 2007 reflektiert und die derzeit im Aufbau befindliche Perspektive einer „Virtuelle Hochschule der Großregion“ skizziert.

6.5.08 ACHTUNG: 16:15- 17:45 Dynamik bildungsrelevanter Informationsumwelten
Prof. Dr. Friedrich Hesse, Institut für Wissensmedien Tübingen

Der Begriff der „Informationsgesellschaft“ ist in den letzten Jahren von einem Schlagwort zu einer adäquaten Beschreibung gesellschaftlicher Realität gewachsen. Insbesondere durch das Internet werden vormals getrennte „Informationswelten“ (Schulen, Hochschulen, Massen-medien, Museen etc.) stärker verknüpft als jemals zuvor. Aus Sicht der Nutzer ist Bildung nicht mehr auf institutionalisierte Lernformen und klassische Lernorte (Schule, Hochschule) beschränkt, sondern untrennbar verbunden mit Aspekten der beruflichen Tätigkeit und der Freizeitgestaltung. In der Bildungsforschung führt die rasante Dynamik der Vernetzung von Informationsumwelten zunehmend zu der Erkenntnis, dass die Trennung zwischen „institutionellem“ und „informellem“ Lernen für die Lernenden selbst an Relevanz verliert.
Die wissenschaftliche Analyse dieser „informellen“ bildungsrelevanter Informationsumwelten soll im Vortrag in insbesondere im Hinblick auf die Entwicklung von sog. „Social Networks“ (Social Software) und den dort enthaltenen Wissensressourcen durchgeführt werden. Ausgehend von der Analyse der Architektur dieser Informationsumwelten wird die Frage adressiert, welche relevanten Mechanismen bei der derzeit anzutreffenden starken Nutzung wirksam sind und wie neue Nutzungsmuster aussehen. Abschließend soll überlegt werden, wie solche Erkenntnisse auch für die Gestaltung oder Weiterentwicklung bildungsrelevanter Informationsumwelten genutzt werden können.

20.5.08 Auf dem Weg zur digitalen Universität – Community Building 2.0
Mandy Schiefner, Universität Zürich

Wissenschaft ist im verstärkten Masse vor allem durch die Zusammenarbeit in (scientific) communities und Netzwerken geprägt und wird zukünftig auch kaum ohne auskommen. Die Zeit der Universalgenies ist vorbei; Wissenschaft vollzieht sich vermehrt in (interdisziplinären/internationalen) Teams. In diesem Prozess kommt vor allem der Digitalisierung eine große Bedeutung zu. Vernetzung ist ohne Medien heute kaum noch denkbar.
Web 2.0 erlaubt es, unterschiedliche Akteure sowohl in den Hochschulen als auch zwischen Hochschulen einfach miteinander zu vernetzen und neue Formen der wissenschaftlichen Zusammenarbeit zu finden. Anhand von praktischen Erfahrungen soll so aufgezeigt werden, wie eine scientific community auch im Rahmen von Digitalisierung und Virtualisierung gepflegt werden kann. Diese praktischen Erfahrungen sollen aber auch kritisch reflektiert werden und als Anreiz dienen, Netzwerke aktiv im Wissenschaftsbetrieb zu pflegen.

3.6.08 Universität Nächste Generation
Prof. Dr. Manfred Faßler, Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt/M.

Universitäten stehen im Daten-Wettstreit mit Suchmaschinen, Portalen etc. Ihre Reaktionen auf die entstandene Medienintelligenz, die mit keinem bisherigen Curriculum verbindbar ist, lautet: e-readyness. In Konzepten des e-learning, blended learning und des e-research wird versucht, infrastruktureller Teil der globalen Daten-, Informations- und Wahrnehmungsströme zu werden. Allerdings mangelt es an offenen Wissenskonzepten, die den digitalen Habitaten entsprechen. So lassen sich erhebliche Spannungen zwischen typografischen, infografischen, nach-institutionellen, communityintegrierten und projektgebundenen Wissensverläufen beobachten. Wie können Universitäten auf die Pluralisierung der Wissensmodelle reagieren? Mit verstärktem Anwendungsbezug? Mit Umzug in die Netze? Mit neuen Künsten der Problem- und Projektstellungen?

17.6.08 ePedagogy Design – visual knowledge building
Prof. Dr. Stefan Sonvilla-Weiß, University of Art and Design Helsinki
Jaap Jansen, Inholland University Rotterdam
Prof. Dr. Torsten Meyer, Universität Hamburg

Perspektiven und Modelle internationaler Zusammenarbeit am Beispiel des internationalen MA Studiums ePedagogy Design – Visual Knowledge Building, University of Art and Design Helsinki, Universität Hamburg, Hochschule Inholland.
Der Vortrag gibt Einblick in die kommunikativen, kooperativen und kollaborativen Formen und Herausforderungen internationaler universitärer Zusammenarbeit. Dabei werden sowohl die universitäts- und fakultätsspezifischen Massnahmen und Strategien veränderter Lehr-und Lernkulturen dargestellt, als auch die spezifisch internationale Dimension realer und virtueller Zusammenarbeit erörtert.

1.7.08 Studieren 2.0
Dr. Bernd Kleimann, HIS
Helga Bechmann, Multimedia Kontor Hamburg

Mit dem Web 2.0 ist das Internet in Bewegung geraten. Heute wird Content weltweit von den Usern produziert, kommentiert, verlinkt, distribuiert – und zwar zusehends auch im Bildungssystem und den angrenzenden sozialen Sektoren. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die deutschen Hochschulen? Löst das Social Web eine Revolution der Lehr-, Lern- und Kommunikationsprozesse aus? Ändern sich die Rolle der Lehrenden und das Studierverhalten, haben wir es längst mit „Studieren 2.0“ zu tun?
Diesen Fragen wird die Vorlesung aus verschiedenen Blickwinkeln nachgehen. Sie entwirft dabei eine Situationsskizze der Internetnutzung im tertiären Bildungssystem Deutschlands, die neben den innovativen Impulsen des neuen Web auch die strukturimmanenten Spannungen zwischen Studium 2.0 und der institutionellen Hochschulsphäre beleuchtet.

Im 14-täglichen Wechsel tragen Vertreter verschiedener Disziplinen Ihre Überlegungen zum Thema vor. In den Terminen dazwischen wird vor- und nachbereitend mit Hintergrund- und Basisliteratur gearbeitet. Die Vorlesungstermine sind öffentlich, die zwischenliegenden Termine sind Studierenden der Erziehungswissenschaft (Lehrämtler, Dipl., Mag.) vorbehalten.

Scheinerwerb ist möglich durch Referat inkl. schriftlicher Ausarbeitung oder durch mündliche Gruppenprüfung am Ende des Semesters.

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