Bildung, Visualität, Subjektivierung – Sichtbarkeiten und Selbstverhältnisse im partizipativen Web

Ein Vortrag von Dr. Benjamin Jörissen, Universität Magdeburg
Dienstag, 7.4.2009, 18:15-19:45 im R504a

Zum Vortrag:

«Subjektivität lässt sich, spätestens seit Heideggers Subjektkritik, nicht mehr als ursprüngliche, vorgängige „Selbstmächtigkeit“ verstehen. Die Macht des Subjekts verdankt sich vielmehr dem, was es als „subiectum“ schon wörtlich ist, nämlich Akten der Unterwerfung. Michel Foucaults Analyse des „Panopticons“ als Disziplinartechnologie, die als visuelle (architektonische) Konstellation, als „Seh-Maschine“, funktioniert, führt diesen Gedanken weiter und konkretisiert ihn.
Subjektivierung erscheint damit als ein Effekt einer gesellschaftlichen Praxis, die wesentlich auf der Internalisierung des fremden Blicks beruht. Das Subjekt steht oder entsteht in einem Feld der Sichtbarkeit, das wir heute als performativ bezeichnen. Visualität, Macht und Reflexivität erscheinen darin als untrennbar miteinander verbunden.
Insofern existiert eine verzweigte (mediale) Geschichte der „Ordnung der Blicke“, des Sehen-Wollens, Gesehen-werden-Wollens und des Sich-zu-sehen-Gebens, von der ausgehend sich die Frage nach medialen Bildungsarchitekturen als Frage nach den von ihnen implizierten Subjektivierungsweisen, und im Anschluss daran, nach den implizierten Bildungspotenzialen, stellen lässt. Dies wird an einigen Beispielen aus dem Bereich des „Social Web“ dargestellt und diskutiert.»

Zur Person:

Dr. Benjamin Jörissen wurde am 8. September 1968 in Krefeld geboren und studierte Erziehungswissenschaft und Philosophie in Köln, Düsseldorf und Berlin. Studienschwerpunkte stellten die Themen Kritische Theorie, Poststrukturalismus, Sozialisationstheorie, Historische Anthropologie dar.
Der Abschluss seines Studiums erfolgte mit der Magisterarbeit zum Thema “Identität und Selbst. Begriffliche, historische und kritische Aspekte.”, die auch als erster Band der Reihe “Berliner Arbeiten zur Erziehungs- und Kulturwissenschaft” vom Institut für Erziehungswissenschaft und Psychologie der Freien Universität Berlin veröffentlicht wurde.

Weiterhin war Dr. Benjamin Jörissen von 2000 bis 2004 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Arbeitsbereich Anthropologie und Erziehung am Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie an der Freien Universität Berlin (unter der Leitung von Prof. Dr. Christoph Wulf), sowie von 2001 bis 2006 Mitarbeiter am Projekt B5 “Die Hervorbringung des Sozialen in Ritualen und Ritualisierungen” des Sonderforschungsbereiches 447 “Kulturen des Performativen” der Freien Universität Berlin. Seit 2006 ist er dort assoziiertes Mitglied in beratender Funktion.

Die Promotion (summa cum laude) zum Dr. phil. erfolgte schließlich im Februar 2005 mit einer Dissertation zum Thema “Bild – Medium – Realität. Die Wirklichkeit des Sozialen und die Neuen Medien”.

Zur Zeit ist Dr. Benjamin Jörissen wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Allgemeine Pädagogik des Instituts für Erziehungswissenschaft an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg unter Leitung von Prof. Dr. Winfried Marotzki und arbeitet am Habilitationsprojekt “Bildung und Sozialität in den Neuen Medien”.

Mit Benjamin Jörissens Vortrag beginnt am am 7.4.2009 die Ringvorlesung “Medien & Bildung: Kontrolle und Selbstkontrolle in Bildungszusammenhängen”.
Die Übersicht über das Vortragsprogramm finden Sie hier im Medien-Bildung-Blog des *mms.

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