Weniger vom Lehrer, mehr vom Schüler – neue Bildungsansätze zwischen ’soft surveillance‘, Selbstverantwortung und Emanzipation

Ein Vortrag von Dr. Nils Zurawski, Forschungskolleg Kulturwissenschaftliche Technikforschung, Universität Hamburg
Dienstag, 14.4.2009, 18:15-19:45 im R504a

Zum Vortrag:

«Das Internet und seine vielen Dienste, insbesondere die so genannten Web 2.0-Anwendungen, halten mehr und mehr Einzug in den Bildungsbereich – E-Learning, selbstverantwortliches Lernen, Stärkung des Schüler gegenüber dem Lehrer usw.. Ziel dieser neuen Lernformen – und damit auch eines neuen Verständnisses von Lernautoritäten und dem emanzipativen Charakter von Bildung ist es, hergebrachte Modelle des ortgebundenen Schüler-Lehrer-Verhältnisses zugunsten eines flexiblen selbst-gesteuerten Modells der Bildung und Wissensaneignung zu ersetzen.
Das alles bringt neue Chancen in einer gewandelten Arbeits- und Lebenswelt mit sich, aber ebenso viele Gefahren – was die Kontrolle, Steuerung und Überwachung von Schülern, Studenten und Bürgern insgesamt angeht. Diese Kontrolle hat dabei mehrere Seiten, die in dem Vortrag erörtert werden sollen:

Soft Surveillance – die (freiwillige) Mitarbeit an der eigenen Kontrolle
Die Aushöhlung eines Vertrauensverhältnisses von Lehrern und Schülern – Die nochmals gesteigerte Standardisierung von Wissen und die Ökonomisierung von Bildung – Wie lässt sich mit einem Computer diskutieren?
Die Einübung von Selbst-Steuerung vermittelt über technische Schnittstellen – Ein kontrollierender und sanktionierender „Wohltäter“ aus dem Bildschirm?
Die unübersehbaren Konsequenzen der anfallenden Daten durch die neuen Bildungsformen
Die Funktionalisierung/Standardisierung von Bildung als neo-liberale Strategie, die auf Überwachung der Subjekte dringend angewiesen ist.»

Zur Person:

Dr. Nils Zurawski wurde 1968 in Hameln geboren und verbrachte seine Schul- und Zivildienstzeit in Hamburg.

In der Zeit von 1990 bis 1994 studierte er in Münster Soziologie, Ethnologie und Geographie. Dort legte er seine Magisterarbeit mit dem Thema „Ethnizität und Migration“ im Jahre 1994 ab.
Fünf Jahre später erfolgte seine Promotion mit dem Thema „Virtuelle Ethnizität“ bei Prof. em. Dr. Christian Sigrist.

In der Zeit von 1997 bis 1999 arbeitete er als wissenschatlicher Mitarbeiter beim ‚European Popular Science Information Project‘, einem Projekt der europäischen Kommission, das, so der Leiter dieses Projektes Prof. em. Dr. Hans Jürgen Krysmanski, Möglichkeiten eines Wissenschaftsfernsehens erkundet, das zugleich multimedial mit dem Einsatz verschiedener Medien in Bildungskontexten und mit der Erprobung von wissenschaftlichen Dienstleistungen auf dem Internet verbunden ist.
Seit 1999 ist er darüber hinaus Mitarbeiter an der Arbeitsstelle für Friedens- und Konfliktforschung ‚PeaCon‘ bei Prof. em. Dr. Hans Jürgen Krysmanski.

Nach seinem DAAD-Posttdoc-Stipendiat, das ihn von August 2000 bis Juli 2001 nach Derry in Nordirland führte, kehrte er nach Hamburg zurück, wo er bis Oktober 2003 für NDR Online als Nachrichtenredakteur arbeitete. Während dieser Zeit (2002 bis 2004) war er zusätzlich als Gutachter für das EU-Projekt „Living with conflict“ im Rahmen des Minerva-Programms („Ministerial Network for Valorising Activities in digitisation“) tätig.

Seit Oktober 2003 ist er schließlich als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für kriminologische Sozialforschung an der Universität Hamburg tätig. Dort leitet er das DFG-Projekt „Kultur, Kontrolle, Weltbild“.

Die Übersicht über das Vortragsprogramm finden Sie hier im Medien-Bildung-Blog des *mms.

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