*mms MultiMedia-Studio

*bildung

Weitreichende Fragen beschäftigten uns am Ende des letzten Beitrags: “Wie kann und soll Wissen transportiert werden?” und “Wie kann es gespeichert, abgelegt (und bei Bedarf wieder hergestellt) werden, wenn es sich immer als Form in einem Medium durchsetzen muss, um kommunizierbar zu bleiben?” (Der Begriff “Wissen” soll an dieser Stelle nicht problematisiert werden. Wir können ihn zunächst in Anlehnung an Helmut Willke als “Einbau von Informationen in systemisch relevante Praxis” skizzieren.¹)

Informationen gewinnt der Kopfarbeiter der Computergesellschaft mehr und mehr in digitaler Form. Die auf dem heimischen Rechner anfallenden Daten müssen mit den begrenzten Bordmitteln des Betriebssystems der Wahl oder unter Zuhilfenahme verschiedener Programme, die auf bestimmte Materialtypen spezialisiert sind, organisiert werden: Programm X für meine Texte, Programm Y für die Soundfiles, Programm Z für Grafiken oder Bilder. Der bekannte Dreischritt der Buchgesellschaft (Kopieren, Lochen, Wegheften) wird so im E-Zeitalter zu einem Zweischritt verschlankt: downloaden und “speichern unter…”. Information kann jetzt zwar effizienter und unkomplizierter gehandhabt werden, gewusst wird dadurch aber noch nicht mehr: Das Wissen in potentialis wird akkumuliert, gelagert, bereit gehalten für den späteren Gebrauch. Auf meinen Festplatten häuften sich beispielsweise zunehmend und ordnerweise interessante Texte, Notizen und Fundstücke der letzten Surf-Tour im Netz oder Materialien, auf die mich Kommilitonen, Freunde oder Lehrende aufmerksam machten; aber: Wenn sie gebraucht wurden, wusste ich meist gar nicht mehr von ihnen. Mit anderen Worten: Das Material wurde weg-sortiert.

Wir, die Autoren von study.log, halten diese Problematik für ein weit verbreitetes Phänomen. Auf Festplatten landaus, landein fehlen Möglichkeiten des produktiven Stöberns, des gezielten Suchens und ein nachhaltiger Zugriff auf Daten; es fehlt insbesondere die Möglichkeit der dauerhaft überschaubaren Darstellung respektive Herstellung von Zusammenhängen, des Verknüpfens von Informationspartikeln, der Ausformung neuer Strukturen und somit der entscheidende Schritt zur Transformation von Information zu Wissen. Es fehlt die Anwendung. Und es fehlt Überraschung: “Für Kommunikation ist eine der elementaren Voraussetzungen, daß die Partner sich wechselseitig überraschen können”, schreibt der Soziologe Niklas Luhmann.² Die Überführung von Information in Wissen mit Gebrauchswert – in Erkenntnis und in Bildung – ist ein genuin erziehungswissenschaftliches Problem. Dabei geht es nicht zuletzt um Fragen der Darstellung und der Darstellbarkeit des Wissens – und um deren Grenzen. Entlang dieser Fragestellungen wird im MultiMedia-Studio und am Institut für ästhetische Bildung des Fachbereiches Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg seit einigen Jahren in Theorie und Praxis geforscht. Ein Ergebnis dieser Arbeit ist study.log.


¹ Vgl. Helmut Willke: Einführung in das systemische Wissensmanagement, Heidelberg 2004, S. 39.
² Niklas Luhmann: Kommunikation mit Zettelkästen. Ein Erfahrungsbericht, in: ders.: Universität als Milieu, Bielefeld 1992, S. 58.

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study.log ist ist eine Software für Kopfarbeiter in Schule, Studium, Beruf, Lehre und Forschung. Sie integriert die Darstellung und Verwaltung ihrer persönlichen Studienmaterial-Mediathek. study.log visualisiert den Datenbestand in einer durchdachten Zusammenschau, innerhalb derer verschiedene Ordnungskriterien angewendet werden können: zeitlich, alphabetisch, semantisch-kategoriell und im toplogischen Verhältnis. Stets bleibt bei allen Perspektivwechseln sowohl das gegenwärtige thematische Zentrum als auch der Horizont des Referenzbestandes im Blick. study.log unterstützt auf diese Weise das experimentelle Hantieren mit zahlreichen einzelnen Materialien und ihren Querverbindungen und potenziert jene Aha-Effekte, die die Freude an der ganz alltäglichen persönlichen Wissensarbeit ausmachen.
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