Thematischer Horizont

Die Diskussion um die seit nunmehr 15 Jahren so genannten „Neuen Medien“ wird innerhalb des internationalen Symposions „Bildung im Neuen Medium“ in einem erweiterten Rahmen geführt. In erster Linie wird es nicht um die „Neuen Geräte“ gehen, sondern um die Formationen und Transformationen von Strukturen, Dispositiven und Techniken, die in ihrer Gesamtheit als ein „Neues Medium“ gefasst werden können: Die digitale Infrastruktur kann kaum unabhängig von den üblicherweise mit dem Stichwort „Globalisierung“ aufgerufenen Prozessen der Entgrenzung von Märkten, Kulturen, Staaten und Identitäten gedacht werden.

Das Symposion soll der Erziehungswissenschaft ein internationales und interdisziplinäres Diskussionsfeld zwischen Informatik, Kommunikations- und Medientheorie sowie Medien- und Kulturgeschichte eröffnen, das auf Wandlungen der Darstellungs- und Interaktionsweisen in Wissenschaft, Kunst und Religion und ihre Wechselwirkungen mit den individuellen und sozialen Handlungspraxen, Wissensorganisationen und Denksystemen fokussiert. Insbesondere soll nach bildungstheoretischen Implikationen und ihrer Bedeutung für gegenwärtige Bildungseinrichtungen gefragt werden: Transformationen der Lehrinhalte und ihrer Formen, der didaktischen und heuristischen Werkzeuge, der institutionellen Kontexte, aber auch der Sozialisation der Studierenden- und Schülergeneration der in die digitalen Kulturen Hineingeborenen.

  • Wie sind Diskurse, Ästhetiken und institutionelle wie informelle Praxen formiert, innerhalb derer Menschen lernen, lehren und (sich) bilden?
  • Welche Wissensbegriffe dominieren den aktuellen Bildungsdiskurs? In welchem Verhältnis stehen diese zur Epistemologie Neuer Medien?
  • Auf welche Art Erkenntnis zielen sie und wie wird diese in den institutionellen Kontexten abgebildet? In Architekturen, Lernumgebungen, Wissensräumen?
  • Welche Visionen der „Wissensgesellschaft“ geben den Hintergrund der Diskussion ab?
  • Wie kann oder muss sich das Bildungssystem selbst unter den Bedingungen Neuer Medien verändern? Was ist Bildung im Neuen Medium?

Vor dem Hintergrund exemplarischer Einblicke in die Archäologie medieninduzierter Wissensformationen mag auch die Frage erhellend sein, wann das letzte Mal – vor den aktuell „Neuen Medien“ – von solchen die Rede war oder die Rede hätte sein können und welche Folgen diese „alten“ Neuen Medien für das derzeitige „Wissensmanagement“ und für das Ineinander der physischen und der virtuellen Architekturen hatten. Den entsprechenden Rahmen dafür bietet der Tagungsort: Die kulturwissenschaftliche Bibliothek Aby M. Warburgs in Hamburg (Anfahrt).

lesesaal im warburg-haus

Struktur

Das internationale Symposion wird vom MultiMedia-Studio am Fachbereich Erziehungswissenschaften der Universität Hamburg veranstaltet dient der Vertiefung einzelner Fragen und Themenstränge dieses Forschungsbereiches. Es werden Expertinnen und Experten aus verschiedenen Ländern und unterschiedlichen Fachrichtungen zu einem informellen Gespräch eingeladen, um sich der Thematik disziplinübergreifend zu nähern. Vertreter der Erziehungswissenschaft, Informatik, Kommunikations- und Medientheorie, Medien- und Kulturgeschichte sowie der Künste werden in der ehemaligen kulturwissenschaftlichen Bibliothek Aby M. Warburgs zu einer diskursiven Situation beitragen, die nicht nur gesichertes Wissen verteilen soll, sondern auch neue Informationen generiert. Dazu soll eine Tagungsstruktur gesucht werden, die eine inhaltliche Vernetzung der diziplinspezifischen Kommunikationsfelder anstrebt.

Das Symposion verläuft über zwei Tage vom 24.11. (ab 14 Uhr) bis zum 25.11.2006 (bis 18 Uhr). Es ist für einen Arbeitskreis bis zu 50 Personen konzipiert. Elf Vertreter unterschiedlicher Fachrichtungen sollen in je 30-minütigen Impulsreferaten ihre wichtigsten Thesen vortragen, über die ausgiebig diskutiert werden kann. Um diesen Austausch zwischen den Referenten und international geladenen Gästen zu intensivieren, sollte eine erste Textfassung der Vorträge bis zum 1.11.2006 vorliegen, damit diese vorweg an alle Teilnehmer verteilt werden können. Ein Austausch über die Fachgrenzen hinweg soll hierdurch ermöglicht werden. Ziel der Arbeitstagung ist eine zweisprachige Buchpublikation (englisch/deutsch) im Jahr 2007, die eine Tür für einen internationalen und interdisziplinären Diskurs über „Bildung im Neuen Medium“ öffnet.

Tagungsadressaten

Ergänzt wird die Tagung durch einen Workshoptag am Sonntag, den 26.11.2006 über das Thema „Knowledge Formation – Tools zur Visualisierung der Wissensorganisation“. Hierzu sind alle Referenten der Tagung herzlich eingeladen, weitere Fachleute werden diesen Workshop bereichern. Im Workshop werden die im Symposion vorgestellten und diskutierten Analysen und Konzepte, die medien- und kulturhistorischen Einordnungen und die damit verbundenen Visionen und Ideen in ihrer Bedeutung bezüglich einer konkreten Realisierung in bestimmten Anwendungen und deren Anwendungsszenarien hin befragt. Digitale Lernumgebungen, Bildungs-Tools, Online-Wissens-Archive etc., die sich in der Entwicklung befinden oder bereits eingesetzt wurden, werden vorgestellt. Der Workshop findet an der Fakultät für Erziehungswissenschaft, Psychologie und Bewegungswissenschaft der Universität Hamburg statt (Anfahrt).


Symposion Unterseiten