Medienzentrum der Fakultät für Erziehungswissenschaft

Meinungsbildung, Fake News und Algorithmen – ein pädagogisches Thema!

Editorial des Programmheftes für die Workshops des Medienzentrums im Wintersemester 2018/19 (.pdf):

»Fake News« haben in den letzten 2-3 Jahren sprichwörtlich eine steile Karriere hingelegt!

Spätestens seit Donald Trumps Wahl 2017 sind Fake News als Schlagwort bzw. als Begriff für ein zeitgeschichtlich aktuelles Phänomen im öffentlichen Diskurs präsent. Diskutiert wird über den Einfluss von Fake News auf Wahlen und politische Meinungsbildung; über die Verwendung als Phrase im Sinne eines politischen Kampfbegriffs, den populistische Politiker*innen nutzen, um die traditionellen Medien zu diskreditieren; über Falschmeldungen als gezielte Methode des Agendasettings zur Beeinflussung der politischen Meinungsbildung 1; über die zunehmende Verbreitung von Falschmeldungen und die Rolle der sozialen Medien – und am Ende münden diese Diskussionen nicht selten in der Beschreibung eines »Zeitalter[s] der Fake News« 2.

Tatsächlich lässt sich beobachten, dass sich Nachrichten über die sozialen Medien schneller und einfacher verbreiten – und zwar losgelöst vom eigentlichen Wahrheitsgehalt; solange etwas ins eigene Weltbild passt, wird munter geteilt und geliked. Insbesondere Facebook hat sich zu einer Plattform herauskristallisiert, die für die Verbreitung von Falschmeldungen einen guten Nährboden liefert – und gleichzeitig eine wichtige Rolle bei der Meinungsbildung zu spielen scheint. Sie dient vielfach als zentrale Anlaufstelle, um sich über aktuelle Themen zu informieren. Große Teile der Gesellschaft sind hier in Gruppen aktiv und begegnen Menschen mit denselben Interessen. Zusätzlich sorgt der Algorithmus der Plattform dafür, dass uns immer weitere, für uns passende Gruppen und Inhalte vorgeschlagen werden. So entstehen Echokammern, in denen Nachrichten und Meinungen, die nicht in unser Weltbild passen, einfach ausgeblendet werden – ob eine Nachricht wahr oder falsch ist, ist letztendlich häufig egal: sie ist dann relevant, wenn sie wahr sein KÖNNTE! Es zählt die Bestätigung der eigenen Meinung. Eine Haltung, die sich gut mit einem weiteren Schlagwort beschreiben lässt: postfaktisch!

Gegenmaßnahmen?

Als Reaktion auf die zunehmende Verbreitung und politische Instrumentalisierung von Falschmeldungen wird versucht, mit Faktenchecks dagegen zu halten. So hat z.B. die ARD im letzten Jahr den Faktenfinder gestartet und widmet sich dem gesamten Themenkomplex sowohl inhaltlich mit gut recherchierten Hintergrundberichten und detaillierten Faktenchecks sowie auf der Metaebene mit Tutorials, in denen man lernen kann, Meldungen objektiver zu beurteilen. Der österreichische Verein Mimikama recherchiert schon seit längerem – auch auf Zuruf – den Wahrheitsgehalt von Meldungen, die im Netz verbreitet werden und unter hoaxmap.org entsteht eine Karte, auf der Falschmeldungen im gesamten Bundesgebiet gesammelt und zugänglich gemacht werden.

Neben diesen Faktenchecks gibt es auch Aktivist*innen, die gemeinsam in Echokammern und Kommentarspalten versuchen, sachliche Diskussionen zu fördern und den Wahrheitsgehalt von Nachrichten zu überprüfen –  wie zum Beispiel die Initiative #ichbinhier.

Aber reicht das? In den seltensten Fällen erreichen Faktenchecks und sachliche Argumente diejenigen, die sich in Echokammern permanent in der eigenen Meinung bestätigen und ungeachtet des Wahrheitsgehalts Meldungen mit dem Ziel der Stimmungsmache verbreiten. Welche Strategien könnten noch dazu beitragen, die Bedeutung von Fake News für die politische Meinungsbildung zu minimieren?

Politische Bildung – ein Thema für die Medienbildung!

Christian Stöcker, Leiter des Studiengangs „Digitale Kommunikation“ an der HAW Hamburg, empfiehlt als Gegenmaßnahme gegen einen zunehmenden Einfluss von Fake News auf die Meinungsbildung, die Werkzeuge derjenigen, die gezielt Desinformation betreiben, verstehen zu lernen. Passend dazu hat jüngst Familienministerin Franziska Giffey ein Gesetz zur Demokratieförderung gefordert, das an der politischen Bildung Jugendlicher ansetzen soll. In Zeiten von sozialen Medien, Algorithmen und Echokammern bedeutet dies: Jugendliche müssen verstehen, wie Falschmeldungen entstehen, wie soziale Medien eingesetzt werden, um gezielt Stimmungen zu beeinflussen, welche Rolle Algorithmen bei der persönlichen Sicht auf die Welt spielen und wie sie selber in dieser komplexen Welt lernen können, eine eigene und differenzierte Meinung zu entwickeln.

Politische Bildung und Medienbildung können heutzutage nur schwerlich getrennt voneinander betrachtet werden – ein rein technologischer Blick auf Medienbildung reicht nicht aus. Und genau aus diesem Grunde freuen wir uns, auch in diesem Semester wieder ein vielschichtiges Workshopangebot präsentieren zu können, das zum einen technische Fertigkeiten und die Nutzung von Programmen schult, zum anderen aber auch den Blick etwas weitet und Euch dabei helfen kann, unsere digitale Gesellschaft besser zu verstehen und mitzugestalten.

In diesem Sinne freuen wir uns auf eine rege Teilnahme an unseren Workshops.

Für das Team des Medienzentrums
Christina Schwalbe

Hier geht’s zur Anmeldung zu den Workshops…

 

  1. Vgl. z.B. falsches Zitat, das Renate Künast 2017 in Zusammenhang mit der Flüchtlingsthematik zugeschrieben wurde: https://www.mimikama.at/allgemein/zitat-eine-fake-news/ [25.9.2018][]
  2. A. Sängerlaub et. al.. Fakten statt Fakes. Verursacher, Verbreitungswege und Wirkungen von Fake News im Bundeswahlkampf 2017. Stiftung Neue Verantwortung, 2018.[]
Wir benutzen Cookies um die Nutzer*innenfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Ihren Besuch stimmen Sie dem zu.