BEAUTY IS THE NEW PUNK. Kontrolle und Kontrollverlust im Zeitalter der Postironie.

Ein performativer Vortrag von Johannes M. Hedinger (Com&Com, Zürich) und Theresa Riess (Kassel)
Dienstag, 07.07.2009, 18:15-19:45 im R504a

Zum Vortrag:

«Im Rahmen des parallel zur Ringvorlesung „Medien & Bildung“ stattfindenden Projektseminars „Kommunikation und kulturelle Innovation im Zeitalter der Postironie und Utopie 2.0“ wurden von Studenten der EPB diverse in der Ringvorlesung theoretisch behandelte Themen und Aspekte aktiv erprobt und umgesetzt.
Thematische Rahmung bildete der anfangs 2009 durch das Künstlerduo Com&Com ausgerufene Begriff der POSTIRONIE, der pauschal für einen Paradigmenwechsel und die Hoffnung auf eine bessere Welt steht, die weitgehend frei von Sarkasmus und Zynismus ist. Postironie meint weiter: – Emotionalität und Mut zum Pathos und grossen Gefühlen. – Authentizität, Nähe und Direktheit. – eine Wiederkehr des Realen, des Einfachen und den Zauber des Alltags. – die Feier des Lebens, die Schönheit, die Liebe und die Wahrheit. – ganzheitliche, emotionale wie spirituelle Nachhaltigkeit und Verantwortung. – Selbstdarstellung, als Individuum, wie in Kollaboration oder Partizipation. – völlige Vorstellungs- und Gestaltungsfreiheit.
Im universitären Setting einer Blockseminars entstanden in sieben Kleingruppen rund ein dutzend freier Projekte an der Schnittstelle zwischen Realität und Virtualität, die durch einen projektbezogenen Blog begleitetet und verbunden wurden.
Inter- und transdisziplinär wurden verschiedene Medien und Mittel wie Internet und Telekommunikation, Fotografie, Video, Print, Design, Performance, Event, Konzept etc.. gewählt und verknüpft. Daraus entstanden Projekte und Manifestationen wie Fotos, Filme, Plakate, Bücher, Musik, Food, Party, Mode, Installationen, ein Maskottchen, Rollenspiele, Web 2.0-Anwendungen (Web, Blog, Twitter, facebook, Google, ..), Partizipationsprojekte, sowie Diskussionen und Aktionen im öffentlichen und virtuellen Raum.
‚Kontrolle und Selbstkontrolle’ war auch im Projektseminars ein zentrales Thema: wie reagieren Studierende, wenn nur wenige Parameter bestimmt sind und (fast) alles offen ist? Wenn das Objekt des Diskurses erst definiert werden muss und man sich nicht auf bestehendes Wissen und das Zusammentragen von Informationen berufen kann, sondern selbst eine eigene Formulierung und Anwendungen von „Postironie“ erschaffen soll? Gefragt waren Eigeninitiative und Kreativität, Mut zur Positionierung der eigenen Meinung und Haltung.
Im Rahmen der Ringvorlesung werden einige Ergebnisse aus dem Projektseminar vorgestellt. Zudem werden durch performative und partizipative Elemente ‚Kontrolle und Kontrollverlust’ thematisiert, sicht- und erlebbar gemacht.»
Im Anschluss an die Ringvorlesung findet ab 21 Uhr eine Postironische Party statt (Astra-Stube, Max-Brauer-Allee 200, Hamburg)

Zu den Personen:

Johannes M. Hedinger (*1971, St.Gallen, lebt in Zürich)
Ausbildung: Studium I: Freie Kunst an der ZHdK Zürich (Diplom) und UCLA Los Angeles (Postgrad.) Studium II: Kunstgeschichte (lic. phil/Master of Arts UZH), Filmwissenschaft und Deutsche Sprachwissenschaft an der Universität Zürich sowie Cultural Studies an der Humboldt Universität Berlin. Seit Ende 2007 Doktorand an der Philosophischen Fakultät Zürich, 2008 SNF-Stipendium und Research Fellow an der Universität der Künste Berlin, 2009-10 Forschungskredit der Universität Zürich. Forschungsschwerpunkte: zeitgenössische Kunst & Provokation, Strategie, Branding, Postironie und Nachhaltigkeit.
Seit 2002 als Dozent für Bildenden Kunst, Medienkunst, Film, Design und Kunstgeschichte tätig; u.a. an der ZHdK Zürich, FHNW Aarau/Basel, Universität Zürich, Universität Hamburg, u.a.
1997 gründete Hedinger zusammen mit Marcus Gossolt das Kunstlabel Com&Com mit dem sie Kunstwerke, Filme, Theaterstücke, Musik, Bücher und Denkmäler produzieren. Bis heute über 100 Ausstellungen in 17 Ländern. Werke von Com&Com wurden u.a. an der Biennale Venedig, im Kunsthaus Zürich und in den Kunst-Werken Berlin präsentiert und befinden sich u.a. in den Sammlungen des Kunsthauses Zürich, des Schweizerischen Landesmuseums und der Sammlung Hauser&Wirth. Für 2010 ist eine Retrospektive inkl. Werkverzeichnis in Vorbereitung. www.com-com.ch

Theresa Riess (*1984, Nürnberg, lebt in Kassel)
Ausbildung: seit 2004 Studium Universität und Kunsthochschule Kassel (Kunstpädagogik und Germanistik für das Lehramt an Gymnasien, Kunstwissenschaft und Germanistik Magister, Bildende Kunst).
Seit 2004 mehrere Praktika bei KünstlerInnen und in handwerklichen Betrieben. Seit 2006 div. Unterrichtsprojekte, Schulpraktika und Workshops mit Jugendlichen. 2006/2007 Mitarbeit Projekt www.fragen-zur-kunst.de. 2007 Austauschprogramm mit der Parson New School in New York. 2007 Praktikum im documenta 12 Projekt: Die Welt bewohnen; Führungen auf der documenta12, Entwicklung eines Projekts für „aushecken“. Seit 2007 Mitglied des Leitungsteams des Ausstellungsraum„Stellwerks“ im Kulturbahnhof Kassel. Im Rahmen des Gewinns des KISS-Stipendium 2008 erste Zusammenarbeit mit Com&Com/Johannes M. Hedinger. Projekt: cc-space.
Seit 2005 mehrere Gruppenausstellungen in Deutschland. Bei der bevorstehenden Jahresausstellung der Kunsthochschule Kassel 2009 stellt Riess im eigens dafür errichteten temporären Ausstellungsraum „schöne Aussicht 1a“ aus.

Die Übersicht über das Vortragsprogramm finden Sie hier im Medien-Bildung-Blog des *mms.

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