„Das Internet“ als Effekt diskursiver Bedeutungskämpfe

Ein Vortrag von Dr. Tanja Carstensen, TU Hamburg-Harburg, Arbeit – Technik – Gender
Dienstag, 14.07.2009, 18:15-19:45 im R504a

Zum Vortrag:

«Nicht nur Subjekte, auch kollektive Akteure sind in der Situation, sich selbst darstellen, reflektieren, thematisieren, präsentieren und kontrollieren zu müssen. Diese Anforderungen, die für die Subjekte aktuell in Bezug auf das Web 2.0 insbesondere aus gouvernementalitätstheoretischen Perspektiven diskutiert werden, sind für kollektive Akteure in ähnlicher Form, allerdings unter anderen theoretischen Prämissen, bereits in älteren interpretativen Ansätzen der Sozialen Bewegungsforschung formuliert worden.
Kollektive Akteure müssen überzeugende Problemdefinitionen und Selbstdarstellungen produzieren, um als relevant und deutungsmächtig in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden und Unterstützung mobilisieren zu können. Hierfür eigenen sich Diskurse über Technik
in besonderer Weise. Der Vortrag zeigt am Beispiel unterschiedlicher Diskurse über das Internet, inwiefern kollektive Akteure das Reden über das Internet als Möglichkeit nutzen, Selbstbilder zu
produzieren, sich selbst zu thematisieren, zu präsentieren und zu inszenieren, interne Konflikte auszutragen und Selbstverständigungsdebatten zu führen. Dabei können die unterschiedlichsten Herstellungsweisen des Internet beobachtet werden: Während die Akteure um Deutungsmacht kämpfen, wird „das Internet“ erst mit diversen Bedeutungen, Eigenschaften und Auswirkungen versehen und relevant gemacht.»

Zur Person:

Tanja Carstensen studierte Soziologie, Volkswirtschaftslehre, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte und Pädagogik in Marburg und Hamburg. 1998 bis 2000 ging sie der Betriebsrats- und Gewerkschaftsarbeit in der Kinobranche nach. 1999 bis 2000 war sie zudem Mitarbeiterin im Aktions- und Forschungsprojekt „zeiten:der:stadt“ des Senatsamt für die Gleichstellung Hamburg.
In der Zeit von 2000 bis 2003 erhielt sie ein Promotionsstipendium der Hans Böckler Stiftung. Darüber hinaus war sie freiberufliche Dozentin für Betriebsräteschulungen in Bereich Privater Rundfunk, Film, AV-Produktion und Neue Medien, von 2001 bis 2002 Mitarbeiterin der Technologie- und Innovationsberatung für ArbeitnehmerInnen e.V. Hamburg (TIB), sowie von 2002 bis 2003 wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt „E-Empowerment. Die Nutzung des Internet in frauenpolitischen Netzwerken“ an der FH Furtwangen.
Seit 2003 ist sie nun wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU Hamburg-Harburg, Arbeit-Gender-Technik. 2006 erfolgte ihre Promotion an der Universität Hamburg am Institut für Soziologie mit der Dissertation: „Die interpretative Herstellung des Internet“.

Zu ihren Arbeitsschwerpunkten gehören Techniksoziologie, Internetsoziologie, Geschlechterforschung, Arbeitssoziologie und Diskursforschung.

Die Übersicht über das Vortragsprogramm finden Sie hier im Medien-Bildung-Blog des *mms.

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