Medienzentrum der Fakultät für Erziehungswissenschaft

Das Kommunikationsquadrat als Analyseinstrument im Bereich der digitalen Medien

Täglich haben wir dank neuer Medien Zugriff auf Informationen unterschiedlichster Quellen. Was ist gerade aktuell und relevant? Darauf geben nicht mehr nur Zeitungen und die Tagesschau Auskunft, vielmehr sind es insbesondere bei jüngeren Generationen soziale Medien (YouTube, Facebook, Instagram), die als Informationsquellen genutzt werden. Es ist nicht immer einfach, Nachrichten für sich richtig einzuordnen – zumal die Quellengüte stark variiert. Eine Hilfe dabei kann das Kommunikationsquadrat Schulz von Thuns bieten.

Das Kommunikationsquadrat Schulz von Thuns besteht aus vier Seiten:

Die Sachebene beinhaltet diejenigen Aspekte einer Aussage, die sachbezogen sind und somit mit der Frage: „Worüber wird informiert?“ erschlossen werden können.

Mit einer Aussage sagt der Sender einer Aussage immer auch etwas über sich selbst aus: Was eine Aussage über die Person verrät, wird der Selbstkundgabeebene zugeordnet.

In die Beziehungsebene sind Elemente einer Aussage einzuordnen, die etwas über die Beziehung zwischen Sender und Empfänger aussagen. Wie steht der Sender zum Empfänger?, was hält er von ihm und der Beziehung zu ihm?, sind leitende Fragen dieser Ebene.

Der Appellseite sind diejenigen Elemente einer Aussage zuzuordnen, die auf die Frage antworten, was der Sender mit der Aussage erreichen will. Was soll die Aussage bewirken? Was erwartet er vom Empfänger?

Nach Schulz von Thun kann jede Aussage entlang der vier Ebenen untersucht werden. Auch wenn sich Schulz von Thun und die aus seinen Ideen entstandenen Kommunikationstrainings primär auf direkte zwischenmenschliche verbale Kommunikation beziehen, lassen sie sich auch zur Analyse medial vermittelter Inhalte nutzten.

Folgendes Zitat ist einem Beitrag mit dem Titel „Handy statt Bilderbuch“ aus der FAZ (Juni 2017) entnommen:

„Wenn Eltern ständig auf ihre Smartphones schauen, können ihre Kinder Bindungsstörungen entwickeln. Und wer seinen Kindern eine ausgiebige Nutzung von digitalen Medien erlaubt, beschert ihnen massive Konzentrationsprobleme.“

Analysiert man diesen Ausschnitt auf den vier Ebenen könnte man zuerst fragen, was sachlich vermittelt wird (Sachebene), ob es sich um sachliche Informationen oder um Positionierungen handelt, wie die vermittelte Information zustande kommt und welche Grundannahmen die Aussage begleiten.

Sachebene: Häufige elterliche Nutzung von Smartphones können Bildungsstörungen bei Kindern bewirken. Häufige kindliche Smartphonenutzung verursacht bei Kindern massive Konzentrationsprobleme.

! Hier wäre zu prüfen, ob zu diesen Hypothesen (wissenschaftlich) fundierte Alternativhypothesen vorliegen.

Darauf folgt die Betrachtung der Selbstkundgabe: Was sagt die Stellungnahme über den Autor/die Autorin bzw. den Verlag aus? Wie positioniert er/sie sich in seiner Aussage zur Nutzung digitaler Medien? Wie ist diese Positionierung im Vergleich zu anderen denkbaren Positionen einzuordnen?

Selbstkundgabeebene: Massive Smartphonennutzung von Eltern und Kindern wird als negativ eingeschätzt und abgelehnt. Es wäre besser, wenn keine massive Smartphonenutzung stattfände.

! Hier wäre zu prüfen, ob und welche anderen Positionen im Artikel selbst oder in anderes Artikeln des FAZ zum Thema Smartphonenutzung genannt werden.

Als nächstes könnte gefragt werden, wie der Ausschnitt/der Artikel die in ihm genannten Akteuren einschätzt: wie steht er zu Akteuren, die er explizit nennt, z.B. mediennutzenden Kindern und Eltern. Ebenso kann gefragt werden, an wen sich der Artikel richtet, also welche Zielgruppe er (positiv sowie kritisierend) anspricht.

Beziehungsebene: LeserInnen, die ihr Smartphone massiv nutzten bzw. es ihre Kinder nutzen lassen, werden kritisiert: Eltern, die ihre Kinder oft das Smartphone nutzen lassen, nehmen massive Konzentrationsschwierigkeiten ihrer Kinder billigend in Kauf!

! Hier wäre zu prüfen, wie extrem die Meinung über die genannten Akteure ausfällt.

Abschließend könnte man den Appell analysieren: Welche Message vermittelt der Artikel/der Ausschnitt? Was will er (auf welchen Ebenen?) bewirken?

Appellebene: Eltern, nutzt euer Smartphone nicht zu viel und passt auf, dass eure Kinder es nicht zu häufig nutzen!

! Hier wäre zu prüfen, ob der Appell selbst und dessen Intensität angemessen sind.

Auf diese Weise, den vier Seiten des Kommunikationsquadrats folgend, können ganze Zeitungsartikel grob oder wie hier sehr feinschrittig analysiert werden. Aber auch YouTube-, Instagram-, oder Facebook-Videos, Memes, Podcasts etc. können auf diese Art systematisch betrachtet werden, insbesondere dann, wenn ein kritischer Blick auf Gesagtes/Geschriebenes notwendig scheint.

Literaturempfehlung

Schulz von Thun, F. (2018). Störungen und Klärungen. Allgemeine Psychologie der Kommunikation (Rororo, Bd. 17489, 55. Auflage, Originalausgabe). Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag.

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