Medienzentrum der Fakultät für Erziehungswissenschaft

Windows oder Apple (macOS)?

Windows oder Apple? Hinter dieser Frage verbirgt sich ein ausgesprochen großes Konfliktpotential. Ausgesprochen ist dieser Konflikt allemal: Nutzer*innen des einen Betriebssystems streiten seit Jahren mit denen des anderen, welches der beiden besser sei. Windows, ursprünglich eine von Microsoft entwickelte Oberfläche, mittlerweile Grundlage einer Vielzahl von Betriebssystemen auf der einen Seite, macOS, früher Macintosh, auf der anderen. Obwohl die Nutzung des einen Betriebssystems nicht ausschließt, dass das andere auf anderen Geräten verwendet oder zumindest nicht grundsätzlich abgelehnt wird, wird der IT-affine Mensch regelmäßig mit der Frage konfrontiert, welches er denn besser fände. Und Warum. Umberto Eco, Autor von „Der Name der Rose“ und „Das Foucaultsche Pendel“, beschäftigte sich bereits 1994 in einem Kurzbeitrag einer italienischen Zeitung mit Windows (DOS) vs. Mac und charakterisiert dabei deren Anhängerschaften auf scharfsinnig lustige (und vielleicht zutreffende?) Art und Weise. Warum Mac katholisch und Dos protestantisch ist – eine gute Lektüre für alle, die den Streit um das richtige Betriebssystem gewillt sind mit Humor zu nehmen.

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Ein neuer Heiliger Krieg: Mac gegen DOS

Ungenügende Beachtung hat der verborgene neue Religionskrieg gefunden, der im Begriff ist, unsere moderne Welt tiefgreifend zu verändern. Ich habe den Verdacht schon lange, aber jedesmal, wenn ich ihn irgendwo erwähne, stelle ich fest, dass die Leute mir spontan zustimmen.

Tatsache ist, dass die Welt sich heute in Benutzer des Macintosh und Benutzer der mit DOS laufenden Computer teilt. Ich bin der festen Überzeugung, dass der Macintosh katholisch und DOS protestantisch ist. Mehr noch, der Mac ist katholisch im gegenreformatorischen Sinn, durchdrungen von der jesuitischen »ratio studiorum«. Er ist heiter, freundlich und entgegenkommend, er sagt dem Gläubigen, wie er Schritt für Schritt vorgehen soll, um wenn nicht das Himmelreich, so doch den Moment des erfolgreichen Ausdruckens der Datei zu er-reichen. Er ist katechistisch, das Wesen der Offenbarung wird in verständliche Formeln und prächtige bunte Ikonen gefasst: Jeder hat Anrecht auf das Heil.

DOS dagegen ist protestantisch, ja geradezu calvinistisch. Es sieht eine freie Auslegung der Schriften vor, es verlangt schwierige persönliche Entscheidungen, es zwingt dem Gläubigen eine subtile Hermeneutik auf und nimmt als gegeben, dass nicht jeder zum Heil gelangt. Um das System funktionieren zu lassen, sind persönliche Exegesen des Programms erforderlich. Weit entfernt von der barocken Festgemeinde, sitzt der Benutzer eingeschlossen in der Einsamkeit seiner Gewissensnot.

Man wird mir entgegenhalten, mit dem Übergang zu Windows habe die DOS-Welt sich der gegenreformatorischen Toleranz des Macintosh angenähert. Richtig: Windows repräsentiert ein Schisma vom anglikanischen Typus, grosse Zeremonien in der Kathedrale, aber stets mit der Möglichkeit einer schnellen Rückkehr zu DOS, um aufgrund bizarrer Entscheidungen eine Vielzahl von Dingen zu ändern; letztlich könnte man, wenn man will, auch das Priesteramt den Frauen anvertrauen.

Natürlich haben Katholizismus und Protestantismus der beiden Systeme nichts mit den kulturellen und religiösen Positionen ihrer Benutzer zu tun. Neulich musste ich entdecken, dass Franco Fortini, der strenge und immer zerquälte Dichter, der noch dazu ein erklärter Feind der Gesellschaft des Spektakels ist, auf einem Macintosh schreibt, es war kaum zu glauben. Allerdings muss man sich fragen, ob die Benutzung des einen Systems anstelle des anderen nicht auf die Dauer zu tiefen inneren Verwerfungen führt. Kann man ernstlich DOS-User und zugleich aufrichtiger Papst-Fan sein? Und übrigens: Hätte C61ine mit Word, mit WordPerfect oder mit Wordstar geschrieben? Hätte Descartes in Pascal programmiert?

Und die Maschinensprache, die im tiefen Untergrund über das Schicksal beider Systeme entscheidet, gleich in welcher Umgebung? Nun, da sind Altes Testament, Talmud, Kabbala … *

 * Dieser Streichholzbrief wurde vor sechs Jahren geschrieben. Inzwischen haben sich die Dinge geändert. Die diversen releases haben Windows dazu geführt, zusammen mit Mac entschieden tridentinisch-katholisch zu werden. Die Fackel des Protestantismus ist in die Hände von Linux übergegangen. Aber der Gegensatz ist geblieben (A. d. A., 1999).“

Hier der Text als pdf.

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Letztendlich bleibt es jedem selbst überlassen, sich für das „richtige“ Betriebssystem zu entscheiden. Und für all diejenigen, die dem Konfliktpotential macOS vs. Windows entgehen wollen, bleibt Linux als (richtige? ;-)) Alternative.

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