Medienzentrum der Fakultät für Erziehungswissenschaft

Twitter und Institutionen in der Wissenschaft.

Möchte man das soziale Netzwerk Twitter einem Außenstehenden in wenigen Worten beschreiben, ist eine der häufigsten Reaktionen: „Und was bringt das?“. 140 Zeichen darüber, was man gerade denkt und macht, scheinen wohl wirklich für die meisten weder interessant noch praktikabel, um bedeutungsvolle Informationen zu verbreiten, noch um sinnvoll zu kommunizieren – gerade wenn es um Wissenschaft geht, wo die Texte doch meist etwas länger sind. Auch die Beschreibung, die Twitter-Userin @judithmp als Trendanalystin im Magazin e-Media liefert, bleibt da doch relativ kurz: „Viel mehr Spaß macht aber Twitter, wenn ich dadurch erfahre, dass um die Ecke ein Spontan-Konzert meiner Lieblingsband steigt, eine alte Freundin zur selben Zeit in derselben Stadt weilt wie ich oder ich mit neuen Menschen ins Gespräch komme.“ (Hier gibts den ganzen Artikel) Sicher ist so etwas für den rein privaten User interessant, aber lassen sich diese Vorteile etwa in den wissenschaftlichen Bereich übertragen?
Nun, ohne Frage kann Twitter Inspiration und Bereicherung sein, wenn Kollegen aus der selben Fachrichtung interessante Artikel und Informationen weiterempfehlen, die sie in den Weiten des Internets gefunden haben. Über sogenannte Re-Tweets – Weiterleitungen von Tweets, entsteht so ein enorm schnelles und effektives Empfehlungs-Netzwerk.
Doch wie können Institutionen Twitter ideal nutzen?

Zum einen natürlich durch aktive Teilnahme in einem derartigen Netzwerk. Aktiv bedeutet, dass nicht nur Informationen aus der Institution selber veröffentlicht werden, sondern selber auch beobachtet wird, was auf Twitter geschieht, und thematisch passende Tweets weiterempfiehlt. Das sieht dann in etwa so aus:
digiom
Hier empfiehlt der *mms-Account einen Tweet, in dem der Userin @digiom einen Livestream aus der Konferenz „Web As Culture“ empfiehlt. Das *mms als Institution wird dadurch zum Knotenpunkt für Informationen zum eigenen Themen- und Arbeitsbereich, es wird nach außen getragen womit sich die Institution beschäftigt.
Die Königsdiszplin ist natürlich erreicht, wenn eine Institution mit ihrem Umfeld direkt in Interaktion tritt, wie es die Stabi vor kurzem geschafft hat: User @autopoiet, der selber hauptsächlich zu wissenschaftlichen Themen twittert, stellte sich folgende Frage:
autopoiet
Kurz darauf kam dann die Antwort von Expertenseite:
stabi
Natürlich beschränkte diese sich nicht auf 140 Zeichen, sondern bestand aus einem Link zum Eintrag im Stabiblog. Neben der Hilfe für alle die sich schon einmal dieselbe Frage gestellt haben, hat die Institution Staatsbibliothek so interessante Information über die eigene Arbeit und die Geschichte dahinter preisgegeben.
140 Zeichen sind hier nicht einfach nur Spielerei und Selbstzweck, sondern schaffen Angebote zur Anschlusskommunikation und Möglichkeiten sinnvoller Vernetzung.
Allerdings muss eine twitternde Institution wohl auch die Dynamik des Netzwerks berücksichtigen. Eine offene Kommunikationsphilosophie und flache Hierarchien sind notwendig, damit die twitternden Mitarbeiter nicht ausgebremst werden. Natürlich sind grundsätzliche Richtlinien sinnvoll, aber ein interessantes Twitterprofil benötigt immer auch eine gute Portion Spontaneität, Interessiertheit, Eigenverantwortung und Entscheidungsfreiheit, damit nicht etwas wie in diesem Szenario passiert.

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